Ein Ersatz-Funkwagen, bzw. ein Ersatz-Kraftfahrzeug war ein der Truppe zugeteiltes Ersatzfahrzeug für fehlende Spezialfahrzeuge.
Viele Menschen denken immer, dass die Wehrmacht in den frühen Kriegsjahren sehr gut mit Kraftfahrzeugen ausgestattet war. Dies stimmt jedoch nur sehr bedingt, denn tatsächlich bewegte sich gerade im Polen- und Frankreichfeldzug ein Großteil der Wehrmacht mit Pferden voran.
Zwar wurden der Wehrmacht immer mehr Kraftfahrzeuge zur Verfügung gestellt, aber für die schnellen Operationen wurden weitaus mehr Fahrzeuge benötigt.
Wie es im Deutschen Militär schon immer "Tradition" war, wusste man sich aber zu helfen.

Lastkraftwagen Citroen Typ 23 im Einsatz bei der Wehrmacht


Für fehlende Kraftfahrzeuge wurden einfach sogenannte Ersatz-Kraftfahrzeuge zur Verfügung gestellt. Hierbei handelte es sich entweder um zivile Fahrzeuge oder erbeutete Fahrzeuge welche dann von den Soldaten selbst zu fast vollwertigen Spezialfahrzeugen umgebaut wurden.
Hierbei sei angemerkt, dass es wirklich interessant ist, wie viele ausländische Automarken auf originalen Fotografien der Wehrmacht zu entdecken sind. Renault, Citroen, Rover, DAF, Dodge, Ford,... Die Liste an eingesetzten ausländischen Fahrzeugen ist sehr lang.

Die Kraftfahrzeuge konnten entweder 1:1 übernommen werden, oder sie mussten behelfsmäßig für spezielle Aufgaben hergerichtet werden.

In dem Projekt "Ersatz-Funkkraftwagen der Wehrmacht - Wie aus einem Citroen U23 ein KFZ.61 wird" geht es um genau ein solches Ersatzfahrzeug.
Hier wurde der Einheit meines Großvaters ein leichter Citroen U23 LKW zugewiesen. Dieser musste dann behelfsmäßig von einem handelsüblichen Kraftwagen zu einem sogenannten Ersatz-Funkkraftwagen hergerichtet werden.
Das Merkblatt D963/8 "Merkblatt für die behelfsmäßige Herrichtung von handelsüblichen Kraftwagen als Ersatz-Funkwagen" gibt genau Aufschluss darüber auf was zu achten war.

Merkblatt über behelfsmäßige Einrichtung von Ersatz-Funkkraftwagen

 

Zu Ersatz-Funkwagen wurden laut dieser Dienstanweisung nur die folgenden Funkkraftwagen zugelassen:

  • Funkkraftwagen Kfz.61
  • Funkkraftwagen Kfz.17
  • Funkkraftwagen Kfz.17/1
  • Funkkraftwagen Kfz.2

Tatsächlich gibt es hierzu keine genauen Bauvorschriften! Das Merkblatt galt für alle Soldaten als "umfassende Übersicht erprobter Muster als Hinweise für mögliche Behelfe".
Statt Bauvorschriften hab es also in der Wehrmacht Richtlinien wie die Ersatz-Funkwagen aufzubauen und auszustatten waren!
"Es bleibt der Gewandheit der Truppe überlassen, an Hand dieser Richtlinien die Herrichtungsarbeiten zweckentsprechend durchzuführen, wobei aber erfahrungsgemäß eine allgemeine Regelung mindestens im Verbande eines AK (Armeekorps) sehr zu empfehlen ist. Die Nachrichtenabteilungen sind zur Mitarbeit bei den Truppennachrichtenverbänden heranzuziehen."
Der Unterschied zwischen Nachrichtenabteilungen und den Truppennachrichtenverbänden wird in diesem Beitrag aufgezeigt:

Aufteilung der Truppennachrichtendienste in der Wehrmacht


Zusammenfassend: Es gibt keine Vorschriften, nur Richtlinien. Freie Hand für die Soldaten aber unter Aufsicht der Nachrichtenabteilungen. Innerhalb eines Armeekorps sollten die Ersatz-Funkwagen aber ähnlich aufgebaut sein.
Das ist für eine militärische Dienstanweisung erstaunlich offen und erklärt wieso hierüber keine definierte Anweisung sondern nur ein Merkblatt herausgegeben wurde.

Nun gibt es aber in Nachrichteneinheiten unterschiedliche Funktrupps welche jeweils mit unterschiedlich ausgestatteten Funkwagen befördert wurden.
Bei den meisten Nachrichteneinheiten handelte es sich um sogenannte mot.-Einheiten, also motorisierte Einheiten.
Um per Definition zugehörig zu einer mot.-Einheit zu sein musste ein Fahrzeug vorhanden sein um den Soldaten zu befördern. Viele kennen vielleicht auch den Begriff der "schnellen Truppen", der sich hieraus ergibt.
Durch die Zuteilung der Ersatzfahrzeuge wurde genau dieser Grundsatz weitestgehend sichergestellt.
Und genau hierüber gibt es nun genauere Richtlinien in dem Merkblatt:

  1. Der Umfang und die Art der nachrichtentechnischen Ausstattung bilden die Grundlage für eine betriebstechnisch brauchbare Einrichtung.
  2. Die nach Stärkenachweisung für den Trupp zustehende Besatzung muss befördert werden können.
  3. Das Gewicht der Gesamtausstattung und Besatzung darf die Tragfähigkeit des Kraftfahrzeuges nicht übersteigen.
  4. Die erforderlichen Kraftquellen des Funkgerätes müssen in der Regel durch Nutzbarmachen der Kraftquellenanlage des Kraftfahrzeuges geschaffen werden. Nur wenn die Ersatzlage das Zuteilen von Kraftfahrzeugen mit solchen Einrichtungen nicht ermöglicht, ist auf andere Fahrzeugtypen zurückzugreifen, jedoch unter Beachtung der unter 1) und 3) beschriebenen Grundsätze, weil dann eine dem Funkgerät entsprechende Batterie mit ausreichendem Speichervermögen zusätzlich vorzusehen ist. Die Bereitstellung der hierzu erforderlichen Sammler muss besonders veranlasst werden. Es darf auch nicht übersehen werden, dass eine derartige Kraftquellenversorgung der behelfsmäßigen Funktrupps für den Einsatz einen geregelten Sammlernachschub erfordert.

 

Sehr interessant ist die nachfolgende Tabelle welche eine Zusammenstellung der Funktrupps mit den zu ersetzenden Funkkraftwagen, den Gewichtsangaben für die nachrichtentechnische Beladung und Besatzung, sowie Strombedarfsangaben für die Funkgeräte enthält:

Liste Funktrupps Wehrmacht

 

Für das Projekt "Citroen U23 Ersatz-Funkkraftwagen Kfz.61" ist die laufende Nummer 2 wichtig:
Der Funktrupp (mot.) ist der m.Fu.Tr.b (Mittlerer Funktrupp b).
Das Funkgerät, also der Sender ist ein 100-Watt Sender.
Als zu ersetzende Kraftwagen sind das Kfz.17 und das Kfz15 eingetragen. Es handelt sich aber um ein Kfz.61. Dazu weiter unten im Text mehr.
Das Gewicht der nachrichtentechnischen Beladung beträgt ca. 495 Kg.
Für das Gewicht der Besatzung (inklusive voller Ausrüstung) wurden 800 Kg beanschlagt, also 100 Kg pro Soldat.
Der Stromverbrauch bei 12V liegt bei 40 - 45 Ampere.

 

 

Der Funkkraftwagen Kfz.61

Aber wie komme ich beim Projekt "Ersatz-Funkwagen der Wehrmacht - Wie aus einem Citroen U23 ein KFZ. 61 wird" nun auf ein Kfz.61?

Kfz.61 der Wehrmacht

 

Wie in der Projektbeschreibung bereits angegeben deuten vor allem die Größe des Ersatz-Funkwagens, das zu sehende Equipment und auch die Informationen aus dem Fotoalbum hierauf hin. Tatsächlich sieht man meinen Großvater auf vielen der Bilder in einem Kfz.61. Zumindest bis 1941. Die Vermutung liegt also nahe, dass das Kfz.61 zerstört oder stark beschädigt wurde und die Einheit meines Großvaters dann mit dem Ersatz-Funkwagen Citroen U23 ausgestattet wurde, bzw. einen Citroen U23 zugewiesen bekam und den Kastenaufbau selbst durchgeführt hat.


Das Kfz.61 wird in dem Merkblatt tatsächlich in einem separaten Teil behandelt. Zur Ausstattung eines Kfz.61 gehört soviel, dass dies einfach zuviel für dieses Merkblatt wäre. Daher taucht er in der oben aufgeführten Liste nicht auf, sondern bekam einen gesonderten Teil in dem Merkblatt.

Geräteaufbau in einem Funkkraftwagen Kfz.61
Geräteaufbau in einem Funkkraftwagen Kfz.61


Der Funkkraftwagen Kfz.61 wurde innerhalb der Wehrmacht als "Leichter Funkkraftwagen" geführt. Der "Schwere Funkkraftwagen" war z.B. das Kfz.72.
Innerhalb der D963/8 wird das Kfz.61 tatsächlich ähnlich geführt wie das Kfz.17. Zumindest wenn es um die Beispielgebung für einen Ersatz-Funkwagen geht.
Der einzige Unterschied: Das Kfz.61 diente in erster Linie als Beispiel für die behelfsmäßige Einrichtung von Lastkraftwagen mit geschlossenem Aufbau von mehr als 1t Nutzlast.
Das Kfz 17 diente als Beispiel für Lastkraftwagen mit offenem und geschlossenem Aufbau von mehr als 1t Nutzlast.
Beim Kfz 17/1 geht das Merkblatt noch weiter. Dieses dient als Beispiel für für Lastkraftwagen mit weniger als 1t Nutzlast oder mehr als 1t Nutzlast.

Ausrüstung Funkkraftwagen Kfz.61
Der Ersatz-Funkkraftwagen Citroen U23 musste das Kfz.61 vollwertig ersetzen.
Hierzu gehörte auch der Stauraum für die Ausrüstung des Funktrupps

 

Ein Ersatz-Funkkraftwagen für das Kfz.61 musste gemäß der D963/8 zum Senden in Fahrt eingerichtet werden. Das bedeutet, dass der Funkbetrieb in dem behelfsmäßig hergerichteten Fahrzeug auch während der Fahrt funktionieren musste.
Grundlage hierfür bildet natürlich eine fest installierte Dachantenne, welche an dem Citroen U23 gut zu erkennen ist.

Dachantenne Citroen U23 Ersatz-Funkkraftwagen


Die Höhe der Dachantenne hatte auf die Sendeleistung natürlich einen großen Einfluss. Daher gab es hier auch genaue Anweisungen:

  • Sie musste mindestens 30cm über dem Dach angeordnet sein.
  • Sie durfte nicht über 2,95m über dem Erdboden liegen.

Die 2,95m errechnen sich dadurch, dass für die Wehrmacht essenziell war, dass die Fahrzeuge via Bahn transportiert werden konnten. Die Fahrzeuge durften daher höchstens 2,95m hoch und übrigens auch höchstens 3m breit sein.

Abmessungen Opel Blitz Funkkraftwagen

 

Übrigens: Sofern es nicht anders möglich war und die Antenne ging über die Höchstabmessung hinaus, musste die Antenne als abnehmbare Antenne vorgesehen werden.

Eine wichtige Frage welche noch immer im Raum steht ist, ob der Kastenaufbau des Citroen U23 eventuell aus Blech bestand. Blech wurde eigentlich nicht für Funkwagen genutzt. Die Aufbauten waren in der Regel aus Holz oder Pappe was den Grund hatte, dass ein Blechaufbau natürlich einen negativen Einfluss auf die Antennenleistung hat.

In der D963/8 heisst es hierzu:
"Auch muss die Verwendung von Lastkraftwagen mit geschlossenem Blechaufbau nur auf dringende Ausnahmefälle beschränkt bleiben, wenn nicht wenigstens das Dach aus Holz gefertigt ist. (z.B. Opel-LKW mit geschlossenem Aufbau auf 3-t-Fahrgestell)"

Ganz sachlich gesehen: Es ist eher unwahrscheinlich, dass es sich bei dem Kastenaufbau des Citroen U23 um einen reinen Blechaufbau handelt, aber eben weiterhin nicht unmöglich.


Dies sind erst einmal alle allgemein zusammengefassten Informationen über die Ersatz-Funkwagen in Bezug auf den Citroen U23.
In den folgenden Teilen werde ich mich detaillierter mit dem Antennenaufbau und der Einrichtung in Ersatz-Funkwagen - speziell mit der Einrichtung des Citroen U23 Ersatz-Funkwagens beschäftigen.

Im nächsten Teil wird es konkret um den "Satz Einbaugerät für die Herrichtung handelsüblicher Lastkraftwagen von 1t Nutzlast und mehr" gehen.

Es bleibt also spannend!

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