Die Funker der Gebirgsjäger hatten eine spezielle Feldflasche im Gegensatz zur Feldflasche 31 im Einsatz. Es handelt sich um die so genannte Labeflasche! 

Die Labeflasche gehörte zur Ausrüstung der Gebirgsjäger und der Sanitätstruppe der Wehrmacht.
Es gibt sie in verschiedenen Versionen, die sich von der Füllmenge (1 Liter, 1,5 Liter und 2 Liter) unterscheiden. Im Allgemeinen weist man die 1 Liter Flaschen den Gebirgsjägern und die beiden anderen Versionen dem Sanitätspersonal zu.
Bei der Labeflasche handelt es sich um eine besondere Form der Feldflasche 31.

Labeflasche mit Trageriemen
Typische Labeflasche mit Trageriemen

 

Die Labeflasche weist entgegen der Feldflasche 31 einige Unterschiede auf:

- Größeres Fassungsvermögen (1 Liter, 1,5 Liter und 2,0 Liter)
- Aus dem größeren Fassungsvermögen resultierende erweiterte Abmessungen
- Der Boden der Flasche war nicht eben, sondern rund
- Feldflaschenkörper und Feldflaschenhalsebene des Filzüberzugs waren mit Filzauflagen verstärkt
- Je nach Ausführung hatte die Labeflasche eine komplett andere Beriemung

 

Die Labeflasche genau wie die Feldflasche 31 grundsätzlich aus vier Teilen:

 

1. Flaschenkorpus

Der Labeflaschenkorpus konnte 1,0 Liter, 1,5 Liter oder 2,0 Liter Flüssigkeit fassen. und wurde aus einem gezogenen Stück Aluminiumblech hergestellt.

Labeflaschen aus Eisen sind dem Autor nicht bekannt.
Der Korpus war an einer Seite nach Außen gewölbt und auf der anderen Seite einfach flach. Der Flaschenboden war im Gegensatz zum Flaschenboden der Feldflasche 31 nicht abgeflacht sondern rund.
Der Flaschenhals bestand aus 4 Gewindegängen, auf die der Schraubverschluss aufgeschraubt wurde, der sich am Labeflaschenriemen befand. Siehe hierzu etwas weiter unten: "Labeflaschenriemen mit Schraubverschluss"
Der Herstellerstempel befindet sich immer am Labeflaschenhals.

Labeflaschenkorpus
Labeflaschenkorpus - Man sieht deutlich, wie groß die Flasche ist.
Hersteller am Flaschenhals der Labeflasche
Unbekannte Herstellercodierung am Flaschenhals der Labeflasche
Typische Herstellercodierung am Flaschenhals einer Labeflasche
Typische Herstellercodierung am Flaschenhals einer Labeflasche

 

2. Filzüberzug 

Der Filzüberzug bestand aus braungemischtem Filz und wurde aus vier Teilen zusammengenäht.
Er konnte problemlos abgenommen werden, da er an einer Seite vier Druckknöpfe hatte, die sich an einem ca. 15cm langen Schlitz befanden.
Diese Knöpfe weisen meistens eine Prägung in Form eines Sterns auf. Bei späteren Feldflaschen können die Druckknöpfe jedoch in Größe und Form variieren.
Der Schlitz für die Druckknöpfe war, genau wie der offene Bezugrand am Flaschenhals nicht wie bei der Feldflasche 31 mit braunem Tuch übernäht, sondern gesondert durch Nähte am Filz vor Ausreißen gesichert.

Verstärkung der Filzvorderseite an der Labeflasche
Verstärkung der Filzvorderseite an der Labeflasche
Beriemung zum Umhängen ohne Haken
Beriemung zum Umhängen ohne Haken


Der Schlitzrand für die Druckknopfunterteile wurde meistens noch einmal mit einem Filzstreifen unterlegt, damit die Druckknopfunterteile nicht am Korpus kratzten. Hier findet sich meistens auch der Herstellerstempel.
Die flache Seite der Labeflasche wurde durch einen Filzkranz verstärkt. Außerdem war eine Filzauflage rund um den Halsansatz innen, sowie außen eingenäht. Bei der regulären, spezialberiemten Labeflasche verfügte der Filzbezug nicht mehr über die Lederschlaufen, durch die der Flaschenriemen gezogen wurde.

Filzkranz der Labeflasche
Filzkranz der Labeflasche

 

3. Beriemung mit Schraubverschluss

Labeflaschen in 1,0 Liter Version ohne große Beriemung

Bei den 1,0-Liter-Versionen ohne die große Labeflaschenberiemung war am Überzugsboden noch ein Aluminiumstift mit einer Nietscheibe und einer Lederunterlage befestigt, welcher zum Fixieren des Feldflaschenriemens gedacht war.
Ebenfalls zur Fixierung des Feldflaschenriemens bei dieser gesonderten Version dienten je eine Lederschlaufe pro Seite, die direkt am Bezug eingenäht wurden. Diese Schlaufen gab es bei der regulären, spezialberiemten Labeflasche nicht.

Typisches Herstellersymbol auf Filzüberzügen der Labeflaschen
Typisches Herstellersymbol auf Filzüberzügen der Labeflaschen

 

Labeflaschenberiemung mit Schraubverschluss

Bei der Labeflaschenberiemung gab es große Unterschiede zwischen der regulären, spezialberiemten und der Labeflasche, welche sich nah an die Feldflasche 31 anlehnte. Der typische Labeflaschenriemen bestand aus geschwärztem Leder. (Bei der Luftwaffe wurden auch Beriemungen mit braunem Leder verwendet). Frühe Ausführungen sind aber nicht nur der Luftwaffe, sondern auch dem frühen DRK und der Sanitätstruppe zuzuordnen!

Haken zum Einhaken in das Koppel
Haken zum Einhaken in das Koppel

Der Schraubverschluss, welcher bei beiden Versionen zu finden ist, änderte im Laufe der Zeit seine Form und ist im Grunde derselbe Schraubverschlusstyp wie bei der Feldflasche 31: Frühe Modelle des Schraubverschlusses waren komplett aus Aluminium und hatten am oberen Rand eine rundum geriffelte Ausbuchtung.
Im Laufe des Krieges kamen vermehrt Schraubverschlüsse aus Bakelit zum Einsatz. Diese sind in zwei Formen bekannt: 1. Mit umlaufender, grober Riffelung
2. Genau wie bei den Aluminumverschlüssen mit einer am oberen Rand umlaufenden feinen Riffelung.
In jedem Falle aber befand sich auf dem Kopf des Schraubverschlusses ein Hersteller.
Der Schraubverschluss hatte im Inneren einen Gummipfropfen, der den Flascheninhalt vor Auslaufen schützte und die Flasche dicht machte.

Früher Schraubverschluss aus Aluminium mit Herstellerkürzel
Früher Schraubverschluss aus Aluminium mit Herstellerkürzel

 

Später Schraubverschluss aus Bakelit
Später Schraubverschluss aus Bakelit

 

Die reguläre Beriemung der Labeflasche

Die reguläre Labeflaschenberiemung bestand aus drei Teilen:

1. Riemengestell mit Schraubverschluss
2. Tragevorrichtung
3. Trageriemen

 

Riemengestell mit Schraubverschluss:

Das Riemengestell bestand aus vier Teilen.
1. Kranzriemen
2. Riemen für die schmale Seite
3. Riemen für die gewölbte Seite
4. Schraubverschlussriemen (mit Becherriemen)

 

Es umgab die Labeflasche auf allen Seiten. Am Riemengestell konnte durch Einschlaufen in eine Schnalle an den beiden breiten Seiten der Trageriemen angebracht werden.
Die Tragevorrichtung konnte im Schraubverschlussriemen eingeschlauft werden. Am Schraubverschlussriemen war selbstverständlich noch der Schraubverschluss beweglich angenietet.

Herstellerkürzel auf der Beriemung
Herstellerkürzel auf der Beriemung

 

Die vereinfachte Beriemung der Labeflasche

Dieser Riemen war ebenfalls ca. 1,5cm breit und war identisch mit dem der Feldflasche 31, nur dass er ein bisschen länger war. (12,8cm pro Seite)
Er bestand einmal aus dem Umlaufriemen und aus dem Becherriemen mit Karabinerhaken, welcher auf dem Umlaufriemen draufgenäht war.

Der Hauptriemen hatte an seinem Ende den Schraubverschluss.
Am anderen Riemenende befand sich die Becherriemenbefestigung in Form einer schwarzen Rollschnalle mit einer Lederschlaufe.
Der Becherriemen musste an der flachen Flaschenseite in die Lederschlaufe eingeführt werden. Ein sich mittig befindendes Knopfloch wurde dazu genutzt um den Riemen am Aluminumstift, der sich am Feldflaschenboden befand, zu fixieren.
Es gilt zu erwähnen, dass sowohl der Hauptriemen, als auch der Becherriemen an diesem Aluminumstift fixiert wurden.
Danach musste noch das Rollschnallenteil durch die fordere Lederschlaufe geführt werden. Der Feldflaschenriemen ermöglichte die Befestigung der Feldflasche u.A. am Brotbeutel 31.
Hierzu wurde der Karabinerhaken an der rechten Metallöse des Brotbeutel 31 eingehakt. Danach wurde die Schlaufe des Becherriementeils durch die untere Lederschlaufe des Brotbeutels geführt und dann wieder am Aluminumstift befestigt.

Labeflasche für Gebirgsjäger
Labeflasche für Gebirgsjäger

 

4. Labeflaschenbecher

Labeflaschenbecher waren in der Regel kreisrund.
Die frühen kreisrunden Labeflaschenbecher bestanden aus schwarz lackiertem Aluminium.
Typischerweise hatten diese an beiden Seiten je eine angenietete Aluminiumschlaufe angebracht, durch die der Flaschenriemen gezogen wurde. Eine weit verbreitete Becherform war auch hier der berühmte Bakelitbecher. Dieser Becher hatte einen runden Querschnitt und keine Griffe oder Schlaufensysteme mehr. Diese Bakelitbecher findet man meistens in der Farbe schwarz. Es gab sie jedoch auch noch in anderen Farben. Es sind sogar Exemplare in Rot oder Blau bekannt. Ob diese farblich vakanten Becher wirklich je zum Einsatz kamen, ist nicht bekannt. Es existieren leider keine Nachweisfotografien.

Sehr frühe Labeflasche mit Beriemung ohne Haken
Sehr frühe Labeflasche mit Beriemung ohne Haken

 

Produktionszeiten

Es sind Exemplare von 1931 bis 1943 bekannt. Danach wurde die Labeflasche wahrscheinlich nicht mehr produziert.

 

Stempel

Noch einmal zusammenfassend die typischen Stempelungsorte:

1. Am Kopf des Schraubverschlusses

2. Am Flaschenhals (Bei Kokosnussfeldflaschen auf dem Korpus)

3. Innen im Bezug in der Nähe der Druckknöpfe

4. An der nicht nach außen stehenden Seite des Feldflaschenriemens. Meistens an der Rückseite des Becherriementeils. Ebenso findet sich der Herstellerstempel manchmal am Karabinerhaken. ACHTUNG: Patent RITTER ist nicht der Haupthersteller, sondern der Patentinhaber des Karabinerhakens.

5. An einer Seite des Bechers, bzw. bei den Bakelitbechern am Kopf

6. Am Karabinderhaken des Feldflascheriemens

7. Am Trageriemen

 

Quellen

Die deutsche Wehrmacht - Uniformierung und Ausrüstung 1933 - 1945 von Adolf Schlicht/ John R. Angolia
Der Sanitätsdienst des Heeres (Fachbuch) - Organisation - Ausrüstung - Einsätze 1939 - 1945" von Alex Buchner

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