In der Praxis war es den Nachrichtenverbänden sehr häufig nicht möglich genug Kabel bis in die vorderen Linien zu legen.

Der Feldkabelbau war nicht nur mit sehr hohem Materialaufwand belastet, sondern gerade an den vorderen Linien war die Gefahr für die Kabelbautrupps durch Artilleriefeuer oder gezieltes Feuer der Infanterie immens.

Bautrupp in den Trümmern von Smolensk
Bautrupp in den Trümmern von Smolensk - Sie sind sichtlich erschöpft und gezeichnet von den Strapazen

Trotzdem konnte die Nachrichtentruppe tatsächlich in der Regel ausreichende Verbindungen herstellen. Doch wie war das möglich?

Die Antwort hierfür ist recht simpel:

Aus rein praktikablen Gründen wurde sehr häufig auf das zivile Telefonnetz (OB) zurückgegriffen. In den Aufzeichnungen der Wehrmacht findet man haufenweise Belege hierfür.

Verteilerstationen waren bei den Vormärschen der Wehrmacht stets wichtige Brückenziele, welche möglichst schnell von Nachrichtenverbänden besetzt und genutzt wurden.

Aber es gab noch einen weiteren, sehr wichtigen Grund:

Es war möglich, mit einfachen Mitteln genutzte Leitungen zu "modulieren". Durch Modulation war es möglich, mehrere Gespräche über eine Leitung zu führen, ohne dass es hierbei zu Signalverlusten oder Störungen kam.

Der schnurlose Ringüberträger mit zwei Taschen
Der schnurlose Ringüberträger mit zwei Varianten der Koppeltaschen

 

Möglich gemacht wurde dies vor allem durch sogenannte Kunstschaltungen/ Phantomschaltungen.

Bei Kunstschaltungen muss zwischen zwei Schaltungsarten unterschieden werden:

  • Simultanschaltungen (Über eine Doppelleitung kann zugleich gesprochen und telegrafiert werden)
  • Doppelsprechbetrieb (Mehrere Gespräche gleichzeitig - Bei Einfachleitungen höchstens Zwei)

Solche Kunstschaltungen wurden stets im "Kleinformat" vorne bei Fernmeldeeinheiten und in den rückwärtigen Dienststellen genutzt.

Die Rede ist hier unter anderem von dem sogenannten schnurlosen Ringüberträger.

Der schnurlose Ringüberträger wurde in weiter Bandbreite eingesetzt, da er nicht nur zur Modulation, sondern auch zum Entstören eingesetzt werden konnte.

Schnurloser Ringüberträger 

Auf einem ringförmigen Eisernkern saßen hierzu vier elektrisch gleiche Spulen. Diese Spulen waren paarweise herausgeführt und mit primär- und sekundär-Seite bezeichnet.

Der Ringförmige Eisenkern wurde übrigens entweder aus einzelnen Blechen oder auch aus Masse produziert.

Die Primär- und Sekundärwicklung sind vollkommen identisch! Jede einzelne Wicklung ist wiederum in zwei gleiche Teilwicklungen aufgeteilt.

Jede dieser Wicklungen besitzt einen Gleichstromwiderstand von 21 Ohm. Der Kern ist innerhalb des Gehäuses auf eine Grundplatte montiert und wird durch eine Eisenblechkappe geschützt.

Technik des schnurlosen Ringüberträgers

Da beide Kreise identisch sind, ist das Übersetzungsverhältnis bei 1:1. Das bedeutet, dass der Wechselstrom (dieser ist durch Sprech- und Rufstrom gekennzeichnet) ohne irgendeine Änderung an der Spannung von einer Wicklung auf die Andere übertragen wird. 

Eine Phantomschaltung ist also im Grunde genommen nichts anderes als ein kleiner Transformator.

Der Ringüberträger wurde hauptsächlich zum Übertragen von Frequenzen zwischen 300 bis 3700 Herz genutzt.

Der Schnurlose Ringüberträger von Innen #1

Der Schnurlose Ringüberträger von Innen #2

 

Grundaufbau 

Auf der Oberseite des Schnurlosen Ringüberträgers befinden sich insgesamt 4 kleine und vier große Anschlussklemmen. An den vier kleinen Klemmen befindet sich an jedem Paar eine Anschlussbrücke.

Die beiden Wicklungspaare auf dem Eisenkern waren getrennt in die Primärwicklung und in die Sekundärwicklung.

Gekennzeichnet sind die Anschlussklemmen mit:

  • EP1 und EP2 - Eingang Primär 1 und Eingang Primär 2
  • AP1 und AP2 - Ausgang Primär 1 und Ausgang Primär 2
  • ES1 und ES2 - Eingang Sekundär 1 und Eingang Sekundär 2
  • AS1 und AS2 - Ausgang Sekundär 1 und Ausgang Sekundär 2

Die Anschlussklemmen tragen die identische Bezeichnung wie die Lötspitzen an den Kernausgängen.

Klemmen des schnurlosen Ringüberträgers

Das Ende der ersten und der Anfang der zweiten Wicklungshälfte sind primär- und sekundärseitig durch jeweils eine Lasche (Anschlussbrücke) miteinander verbunden. Diese Brücken konnten entfernt werden sofern die Wicklungshälften einzeln benutzt werden sollten. Weiter sind Anfang und Ende der Primär-und Sekundärwicklung an je eine Klinke geführt.

Auch die Klinkenbuchsen sind mit Primär (P) und Sekundär (S) gekennzeichnet. 

Klinkenbuchsen des schnurlosen Ringüberträgers

Wie jede ordentliche Phantomschaltung war auch der schnurlose Ringüberträger der Wehrmacht vom Aufbau simpel, jedoch ein sehr akkurat und genau gefertigter Überträger, da dies bei einer Phantomschaltung selbstverständlich sehr wichtig ist.

Die Eisenglocke im Inneren war daher speziell gegen Erschütterungen und Fremdeinwirkung geschützt. Auch die Verwendung des Holzrahmens bis zum Kriegsende ist diesem Fakt geschuldet, denn Holz dämpft Stöße weit besser als Metall.

Der Rahmen bestand immer aus Eichenholz. Die Deckplatten waren stets aus leicht formbarem Blech gefertigt. 

 

Die Verwendung in Stichpunkten:

  • Übertragen von Doppelleitung auf Einfachleitung
  • Übertragen von Signalen von Postleitung (OB) auf das Telefonnetz der Wehrmacht
  • Übertragung von Fern- auf Ortsleitung
  • Verminderung von Induktionsstörungen (Kreuzung von Hochspannungen)
  • Anfertigen von Kunstschaltungen zum Doppelsprechbetrieb

 

 

Warum heißt der schnurlose Ringüberträger überhaupt "schnurlos"?

Eine der häufigsten Fragen ist, weshalb der Rinüberträger schnurlos eigentlich überhaupt den Zusatz "schnurlos" hat. Man benötigt doch eine Vermittlungsschnur?

Der Grund hierfür ist historisch bedingt. Denn der direkte "Vorfahre" des schnurlosen Ringüberträgers war der Überträger, genannt "Übertragerkästchen". (Nein, nicht "ÜbertrÄgerkästchen", sondern "Übertragerkästchen" ist die korrekte Bezeichnung!)

Das Überträgerkästchen hatte im Gegensatz zum schnurlosen Ringüberträger eine integrierte Vermittlungsschnur mit Klinke. Ein weiterer Unterschied besteht in der Wicklung, denn das Übertragerkästchen hatte tatsächlich insgesamt nur zwei Wicklungen.

Auch das Übertragerkästchen wurde bis Kriegsende genutzt, war jedoch nur sehr selten in Gebrauch und wurde in weiten Teilen durch den schnurlosen Ringüberträger abgelöst.

Der schnurlose Ringüberträger verfügt über keine Vermittlungsschnur, sondern hat nur Klinkenanschlüsse. Bei ihm mussten die Vermittlungsstöpsel des Anrufenden sowie des Anzunehmenden in die Klinken gestöpselt werden. Tatsächlich ist dies der recht simple Grund, weshalb der schnurlose Ringüberträger unter diesem Namen eingeführt wurde. 

Das Übertragerkästchen
Das Übertragerkästchen

Über den gesamten Einsatzzeitraum der Nachrichtentruppe war der schnurlose Ringüberträger ein unverzichtbares Arbeitsinstrument, welches in der Tat auch Leben retten konnte. Das klingt eventuell etwas übertrieben, wird jedoch in den Aufzeichnungen der Nachrichtentruppe durchaus thematisiert. Durch Einsatz des Überträgers konnte vermieden werden, dass in steter Gefahr mehr und mehr Leitungen gelegt werden mussten.

Die Zahlen der Verluste bei Leitungsbauarbeiten versuchen wir derzeit zu recherchieren, aber diese Verluste waren in jedem Fall immens! Durch den Einsatz von Phantomschaltungen konnten wichtige Ressourcen freigesetzt und Leben geschützt werden.

Drei
Drei "Strippenzieher" der Luftwaffe

 

Quellen

Fernsprechgerätelehre - Heft 1 "Grundlagen" - aus "Arbeitsunterlagen für den nachrichtentechnischen Unterricht" - Januar 1943

Nachrichtenverbindungsdienst - Verlag "Offene Worte" Berlin - 1935

Reibert - "Der Dienstunterricht im Heere" - Ausgabe für den Nachrichtenmann 1934/ 1938/ 1940/ 1941/ 1942

 

 

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