Im Laufe des Krieges wurden die Rohstoffe zur Produktion hochwertiger Rüstungsprodukte immer knapper. In den Jahren 1940 und 1941 gab es einen Überschuss an Rüstungsgütern. Spätestens jedoch ab 1942 wurde schnell klar, dass die Rüstungsindustrie wesentlich mehr produzieren musste bei gleichzeitig möglichst geringem Materialaufwand.

Bei der Ausrüstung und Technik der Wehrmacht kann man die ersten Einsparungsmaßnahmen bereits ab 1941 erkennen. Ab 1943 dann sind die nötigen Einsparungsmaßnahmen bereits sehr deutlich zu sehen. Wo auch immer ein Stück Leder eingespart, ein Stück Messing weggelassen oder ein Produktionschritt vereinfacht werden konnte, wurde dies getan.

Der OB Fernsprecher 43
Der OB Fernsprecher 43

 

Vom Feldfernsprecher 33 zum OB Fernsprecher 43

Der Feldfernsprecher 33 war ein recht aufwendig produziertes, hochwertiges Nachrichtengerät, welches sich schnell an allen Fronten als sehr zuverlässig und robust herausstellte.

Um die Funktionalität an der Front zu bewahren, waren hier nur leichte Einsparungen möglich.

An trockenen Orten jedoch, an denen der Fernsprecher fest verbleiben sollte, sah man eine Möglichkeit deutlich an Material einzusparen.

Das Ergebnis aus diesen Überlegungen war der OB Fernsprecher 43!

Der OB Fernsprecher 43 in allen Teilen
Der OB Fernsprecher 43 in allen Teilen
Oberseite des OB Fernsprecher 43
Oberseite des OB Fernsprecher 43 - Bezeichnend ist hier die rote Bezeichnungstafel

 

Die Anzahl an Feldfernsprechern, die an fixen Stationen (ortsfest) betrieben wurden war immens und die Feldfernsprecher, welche bisher an diesen Orten verwendet wurden, konnten dann an die Fronttruppen ausgegeben werden.

Der OB Fernsprecher kann als Inbegriff der "Billigproduktion" von drahtgebundenem Nachrichtengerät des zweites Weltkrieges gesehen werden.

 

Viele bezeichnen den OB Fernsprecher 43 als eine Version des FF33. Ob es sich um eine Eigenentwicklung oder um eine Versionierung handelt, hierüber kann man nun streiten. Fakt jedoch ist, dass am OB Fernsprecher 43 das Grundkonzept des Feldfernsprecher 33 vollkommen übernommen wurde.

Aber schauen wir uns den OB Fernsprecher 33 einmal genauer an:

Der Bakelitkörper, also die Schutzhülle weist im Gegensatz zum FF33 einige Unterschiede auf:

  • Keine wasserabweisenden Gummis als Kabelführung - Diese wurden einfach weggelassen.
  • Keine Schaltbilder
  • Vereinfachte Verschlusskonstruktion zum Öffnen.
  • Keine Klingelöffnung
  • Keine Metallabdeckungen
  • Vereinfachte Scharnierkonstruktion
  • Keine Aussparungen für die Klinken
  • Keine Ösen für den Trageriemen
Vorderseite des OB Fernsprecher 43
Vorderseite des OB Fernsprecher 43
Rückseite des OB Fernsprecher 43
Rückseite des OB Fernsprecher 43
Die Grundplatte des OB Fernsprecher 43
Die Grundplatte des OB Fernsprecher 43

 

Die Technik im Inneren ist ebenfalls stark vereinfacht:

Der Metallrahmen wurde komplett weggelassen. Stattdessen sind alle Komponenten an einer Platte aus Pressstoff befestigt.

Auch die Anschlusbuchsen für den Hörer wurden komplett weggelassen. Stattdessen mussten die Kontakte des Hörers direkt angeschlossen werden. Ein Becher für das Feldelement existierte hier nicht. Stattdessen wurde das Feldelement einfach nur eingelegt und direkt verdrahtet. 

Es gab keine Prüftaste mehr, alle Buchsenstreifen wurden ebenfalls eingespart. Die Kabelklemmen waren aus Bakelit gefertigt. 

Die reine Technik jedoch blieb fast identisch, wenngleich billigere Materialen verwendet wurden:

  • Induktor
  • Sprechspule
  • Wechselstromwecker
Technik des OB Fernsprecher 43
Technik des OB Fernsprecher 43
Hörerkontakte des OB Fernsprecher 43
Hörerkontakte des OB Fernsprecher 43

 

Fakten am Rande: Warum fehlt die "3" bei den Hörerkontakten?

 

Alle großen Metallteile wurden mit günstiger, grauer Rostschutzfarbe bestrichen.

Der Hörer musste außen aufliegen. Er konnte nicht mehr im Gehäuse aufbewahrt werden. Dies musste er natürlich auch nicht, da das Gerät nicht für den portablen Einsatz gedacht war.

Auch beim Hörer wurde gespart! Mikrofon und Hörermuscheln wurden aus Pressstoff gefertigt:

Mikrofonvarianten
Mikrofonvarianten - Links aus Pressstoff vom OB43, rechts vom FF33

 

Der OB Fernsprecher 43 ist ein exzellentes Beispiel für die Ausschöpfung von Möglichkeiten der Materialeinsparung während der Kriegsjahre.

Wenngleich heute das Thema "Rüstungswunder" in Fachkreisen eher skeptisch beäugt wird, lässt sich trotzdem feststellen, dass es gerade durch die vielen Materialeinsparungen und Prokduktionsvereinfachungen möglich war die Produktion tatsächlich bis in die letzten Kriegsjahre aufrecht zu erhalten.

"Not macht erfinderisch" lautet ein altes Sprichwort. In den Ideen, welche die Materialeinsparung hervorgebracht hatte, lässt sich dieses Sprichwort bekräftigen!

Der OB Fernsprecher 43 erfüllte vollkommen seinen Zweck, obwohl man diesen Fernsprecher in Wehrmachtskreisen eher als ungeeignet und nicht stabil genug sah.

 

Wie selten ist der OB Fernsprecher 43 heute?

Heute sind diese Fernsprecher relativ selten. Dies liegt unter anderem daran, dass bis 1942 bereits eine sehr große Anzahl an Feldfernsprechern 33 produziert wurde. Man erkannte spätestens im Frankreichfeldzug, welche Wichtigkeit die Nachrichtenübermittlung hat und legte sehr großen Wert auf robuste und gut funktionierende Nachrichtenmittel. Eine einfache Feldtelefonleitung, eine einsame Funkstationen konnten ganze Schlachten entscheiden. Dieser Fakt hat sich auch heute nicht geändert. Die schnelle und zuverlässige Nachrichtenübermittlung stellt "Augen und Ohren" für die Strategen sie ist das zentrale Nervensystem aller Truppen.

Weiter ist hier zu erwähnen, dass sehr viele Feldfernsprecher 33 nach dem Krieg weiter verwendet wurden. Die Gründe hierzu wurden bereits genannt: Sie waren stabil und sehr zuverlässig im Gebrauch. Für die OB Fernsprecher 43 traf dies nicht zu. Sie waren nicht stabil, nicht wasserdicht und der Hörer konnte nicht im Gehäuse verstaut werden. Daher ist davon auszugehen, dass viele OB Fernsprecher 43 nach dem Krieg verschrottet wurden. 

Zuletzt muss man bedenken, dass die Produktionszahlen gegenüber dem Feldfernsprecher 33 wohl eher als gering angesehen werden können. Uns liegen keine korrekten Produktionszahlen vor, aber anhand originaler Bilder aus den Jahren 1943 - 1945 muss man klar feststellen, dass der OB Fernsprecher 43 tatsächlich eher selten zu sehen ist, was zuletzt sicherlich auch mit der Unbeliebtheit dieses Fernsprechers zu tun hat.

 

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