Innerhalb der Wehrmacht wurden einige Fernmeldegeräte genutzt, welche auf den ersten Blick für heutige Verhältnisse etwas seltsam anmuten. Zu diesen Geräten gehört auch der Tischfernsprecher 38, welcher auch gerne als "Bunkertelefon" oder als "Offizierstelefon" bezeichnet wird. Dieser Begriff trifft auf den Tischfernsprecher 38 nicht wirklich zu, da sein Nutzungsbereich durchaus weit über die ausschließliche Nutzung durch Offiziere hinausging, aber der Ansatz ist zumindest nicht falsch.

Tischfernsprecher 38

Der Tischfernsprecher 38 kam in Stabsvermittlungen und Fernsprech-Vermittlungstrupps als Teilnehmerapparat zum Einsatz, war jedoch ursprünglich für die höheren Kommandostäbe bestimmt. So falsch ist die Bezeichnung "Offizierstelefon" also nicht, der Begriff "Bunkertelefon" dagegen schon!
Er war für den Anschluss an OB-, OB/SB- und ZB-Vermittlungen verwendbar. (Informationen zu den Betriebsarten gibt es hier: Betriebsarten von Feldtelefonen und Fernsprechern) Ein Einsatz an Wählvermittlungen war für den Tischfernsprecher 38 jedoch nicht vorgesehen. Hierzu standen Wählapparate zur Verfügung. Siehe z.B.: Der Amtsanschließer 33

Tischfernsprecher 38 - Buchstabiertafel

 

Aufbau

Sehen wir uns den genauen Aufbau des Tischfernsprechers 38 an:

Der Tischfernsprecher 38 wurde in 3 Hauptteile gegliedert:

  1. Gehäuse mit eingebautem Gerätesatz
  2. Handapparat mit Anschlussschnur und Anschlussstecker
  3. Beikasten mit Zuleitungsschnur

Grundaufbau Tischfernsprecher 38

1.1 Gehäuse

Was sofort auffällt ist die robuste bullige Bauweise des Tischfernsprechers. Das Gehäuse bestand aus schwarzem Pressstoff (Bakelit), wobei auch Versionen aus braunem Bakelit bekannt sind. Die solide Grundplatte bestand aus Metall. An ihr waren an der Unterseite pro Ecke je eine Gummiauflage als Standbein angebracht.
Gehäusedeckel und Grundplatte waren durch ein Scharnier miteinander verbunden. Somit konnte das Gehäuse nach Zurückdrücken einer Sicherungsnase nach vorne geklappt werden und man kam an die Geräteteile, welche ausnahmslos auf der Grundplatte montiert waren.
Auf der Vorderseite des Gehäuses war eine Auflage für den Handapparat. Mittig von dieser Auflage befand sich der Gabelumschalter.
Wiederum mittig zwischen den beiden Auflagen befanden sich oben eine Buchstabier- und unten eine Schreibtafel um den Tischfernsprecher entsprechend zu markieren.
Die Induktorkurbel konnte in die rechte Seite eingekurbelt werden. Hierzu befand sich an dieser Stelle eine kreisrunde Öffnung, welche nicht verschlossen war, da der Tischfernsprecher nicht für den Feldeinsatz ausgelegt wurde.
Um die Zuleitungs- und Anschlussschnur einzuführen befand sich auf der Rückseite des Geräts eine Aussparung, welche wie beim Feldfernsprecher 33 mit Gummistreifen geschützt wurde. Die Zuleitungsschnur war übrigens die Schnur, welche den Tischfernsprecher 38 mit seinem Beikasten verband.

Tischfernsprecher 38 ohne Beikasten

 

1.2 Bauteile

Die Bauteile des Tischfernsprechers 38 waren größtenteils identisch mit den Bauteilen des Feldfernsprecher 33 n.A. (neuer Art):

Der Grundaufbau:

  • Kurbelinduktor
  • Wechselstromwecker
  • Gabelumschalter
  • Buchsenstreifen für den Handapparat
  • Buchsenstreifen für den Kopffernhörer
  • Anschlussklemmenplatte

Technischer Aufbau Tischfernsprecher 38

Tischfernsprecher 38 - Aufbau

Der technische Aufbau:

Der Kurbelinduktor hatte eine Wicklung von 400 Ohm mit 4600 Windungen bestehend aus 0,18mm Kupfer-Lackdraht (CuL).
Der Wechselstromwecker hatte wie der des Feldfernsprecher 33 zwei Glockenschalen. Auch er besaß zwei hintereinander geschaltete Elektromagnet-Wicklungen.
Der Widerstand je Wicklung betrug 700 Ohm bei 10500 Windungen bestehend aus 0,11mm Kupferlackdraht (CuL).
Die Sprechspule bestand ebenfalls wie bei dem Feldfernsprecher 33 aus einem geschlossenen Eisenkern, welcher vier Wicklungen (1,2,3,4) trug:

  • Wicklung 1: 3,5 Ohm - 370 Windungen - 0,28mm Kupferlackdraht
  • Wicklung 2: 30 Ohm - 1600 Windungen - 0,24mm Kupferlackdraht
  • Wicklung 3: 108 Ohm - 800 Windungen - 0,10mm Kupferlackdraht
  • Wicklung 5: 300 Ohm - Umgebend - 0,10mm Widerstandsdraht mit 2x Seide umsponnen (Wd SS)

Die Wicklung 4 wurde aus Fertigungsgründen mit auf den Spulenkörper der Sprechspule gewickelt.

Tischfernsprecher - Technik - Seitenansicht

Tischfernsprecher 38 - Wecker

Zwischen den Klemmen La/ZB und La/OB/SB lag ein Kondensator C1 mit 2 Mikrofarrad. Er diente zur Steuerung des Vermittlungsgleichstromes.

In einem Kondensatorenbecher befanden sich außerdem die Kondensatoren C2 und C3 von je 1 Mikrofarrad.
C2 lag im a-Zweig und sorgte dafür, dass der Vermittlungsgleichstrom bei ZB-Betrieb nicht über die Sprechspule floss.
C3 lag vor dem Fernhörer und diente zusammen mit dem Kondensator C2 zur besseren Anpassung der Sprechstelle an die Leitung.

Es gab zwei Buchsenstreifen:

  • Der 5-Teilige Buchsenstreifen war für den Anschluss des Feldhandapparates 33.
  • Der 2-Teilige Buchsenstreifen war für den Anschluss des Kopffernhörers zum besseren Hören.

 

An dieser Stelle sei übrigens angemerkt, dass der Kopffernhörer häufig als Fernhörer zum Mithören angesehen wird. Sicherlich konnte er auch als solcher dienen, aber es hat natürlich einen Grund, dass nur eine Ohrmuschel belegt ist:
Er diente dem Telefonisten selbst als Zusatz und konnte aufgesetzt werden um mit beiden Ohren hören zu können. Der Hörer musste so oder so genutzt werden.

Neben den beiden Buchsenstreifen gab es noch eine Klemmplatte an der die Zuleitungsschnur angebracht war. Die Klemmenbezeichnungen lauteten "MB", "La/Zb", "La/OB/SB", "Lb/E", "W2", "F" und "M".
Die einzelnen Phasen der Zuleitungsschnur waren entsprechend an die Klemmen angeschlossen. Eine Ausnahme bildeten F und M. Die Zuleitungsschnur war also 7-adrig.

  • Die Klemmen mit der Bezeichnung MB dienten zum Anschluss der Mikrofonbatterie (1 Feldelement).
  • Die Klemmen La/ZB und Lb/E waren für den Anschluss der a- und b-Ader der Teilnehmerleitung bei ZB-Betrieb.
  • Die Klemmen La/OB/SB und Lb/E waren demnach für den Anschluss der a- und b-Ader der Teilnehmerleitung bei OB- oder SB-Betrieb bestimmt.
  • An das Klemmenpaar W2 konnte die Leitung zu einem zweiten Wechselstromwecker angeschlossen werden.
  • An die beiden nicht belegten Klemmenpaare F (Fernhörer) und M (Mikrofon) konnte die Anschlussschnur eines postalischen Handapparates angeschlossen werden.

Klemmen am Tischfernsprecher 38

Der Gabelumschalter (U) bestand aus einem Federsatz mit einem Arbeits- und zwei Umschaltekontakten, welche beim Abnehmen des Handapparates betätigt wurden.

Über den Arbeitskontakt U1 wurde der Mikrofonstromkreis eingeschaltet. Durch diesen Kontakt musste der postalische Handapparat (falls dieser verwendet werden sollte) keine Sprechtaste besitzen. Der Kontakt ersetzte quasi die Sprechtaste.
U2 bewirkte die Durchschaltung des a-Zweiges zur Sprechspule. Der Kontakt U2 bewirtke außerdem, dass der von der Gegenstelle ankommende Rufwechselstrom bei aufgelegtem Handapparat nicht über die Sprechspule, bzw. den Fernhörer lief.
Durch die Auftrennung des Kontaktes U3, also durch das Abnehmen des Feldhandapparates, wurde die Überbrückung des Fernhörers aufgehoben.
Bei ZB-Betrieb erfolgte durch die Schließung des Kontaktes U4 die Einschaltung des Vermittlungsgleichstromes (Amtsstrom) und über Kontakt U5 - beim Auflegen des Handapparates - die Einschaltung des Schlußzeichenstromkreises.

Tischfernsprecher 38 - Aufnahme der Induktorkurbel

Auf dem Wechselstromwecker ist eine Auflage aus Pressstoff befestigt, welche zur Aufnahme der Induktorkurbel bei Transport oder bei Verwendung des Tischfernsprechers 38 an ZB-Vermittlungen diente.

Der Feldhandapparat 33, welcher übrigens bereits in einigen weiteren Artikeln behandelt wurde, enthielt das Mikrofon, den Fernhörer und im Handgriff die Sprechtaste. Der Feldhandapparat 33 wurde durch eine vieradrige Anschlussschnur mit Stecker in den 5-teiligen Buchsenstreifen gesteckt. Wieso der Buchsenstreifen 5-teilig ist, kann man hier sehen:

Besonders war hier, dass auch ein postalischer Handapparat verwendet werden konnte, ähnlich wie beim Amtsanschließer. Ein postalischer Handapparat besaß natürlich keine Sprechtaste und keinen Stecker. Die freiliegenden Kabel konnten direkt verbunden werden, wobei auf die Farbgebung der damaligen Adern geachtet werden musste: Die grüne und gelbe Ader gehörten an den F-Fernhörer, weiß und braun an M-Mikrofon. Der Tischfernsprecher 38 taucht heute ab und an mit zivilen Handapparaten auf. Häufig werden diese Handapparate dann als "nicht original" bezeichnet, was in der Regel nicht korrekt ist, da sie wahrscheinlich in der Tat in dieser Konstellation verwendet wurden.

Das Innere der TIschfernsprecherklappe

In Ruhe, also bei Nichtbenutzung lag der Handapparat auf dem Gabelträger auf. Der Ruf- und Sprechstromkreis waren somit unterbrochen. Beim Abnehmen des Hörers wurde der Mikrofon- und Hörstromkreis eingeschaltet. Sofern der Handapparat 33 verwendet wurde, musste zwangsläufig die Sprechtaste verwendet werden. Durch Auflegen auf den Gabelschalter wurde bei OB/SB-Betrieb und ZB-Betrieb auf der Vermittlung selbstständig das Schlusszeichen gegeben. Gleichzeitig wurde dann der Fernhörer kurzgeschlossen um ein Abhören unmöglich zu machen.
Mehr zum Thema Vermittlungen gibt es hier:

Beikasten Tischfernsprecher

Der Beikasten bestand aus einem stabilen kleinen Pressstoffkorpus und konnte durch zwei angebrachte Ösen aufgehängt werden. In den Kasten wurde die Mikrofonbatterie (Feldelement) eingeschoben. Abgesehen von der Stromversorgung wurden die Teilnehmerleitungen und wahlweise auch ein zweiter Wecker an den Beikasten angeschlossen. Der Anschluss der a- und b-Ader erfolgte entsprechend der genutzten Betriebsart der Vermittlung unter Berücksichtigung der Klemmenbezeichnung am Beikasten.
Die Klemmen mit den Bezeichnungen MB, LA/OB/SB, La/ZB, Lb/E und W2 sowie das Feldelement konnten nach dem Lösen der jeweiligen Verschlussschraube und dem Aufklappen des Schutzdeckels zugänglich gemacht werden.

Tischfernsprecher 38 - Beikasten

Tischfernsprecher 38 - Beikasten offen

Tischfernsprecher 38 - Beikasten Batteriefach

 

Anschluss der Zuleitungsschnur

Nun eine Frage, welche viele Sammler immer interessiert, sofern der Beikasten vom Tischfernsprecher getrennt war:
Wie wurde die 7-adrige Zuleitungsschnur vom Beikasten an den Tischfernsprecher angeschlossen?
Durch die Farben der Adern ist die Zuteilung einfach wie folgt:

  • Rosa an Klemme MB
  • Grün-Grau an Klemme MB (Reihenfolge der beiden MB-Kabel ist egal)
  • Grün an Klemme La/OB/SB
  • Weiß an Klemme La/ZB
  • Braun an Klemme Lb/E
  • Grau an Klemme W2
  • Gelb an Klemme W2

Anschluss der Zuleitungsschnur an den Tischfernsprecher 38

Beikasten - Klemmen

Ergänzend hierzu ist der Schaltplan unter der Grundplatte des Tischfernsprechers 38 zu beachten, welcher hier zu sehen ist:

 

In folgendem Artikel ist der Schaltplan in größerer Auflösung zu sehen:

Tischfernsprecher 38 - Schaltplan

Das Feldelement wurde an die zwei Klemmen MB (Mikrofonbatterie) angeschlossen. Der Beikasten mit dem Feldelement musste stets senkrecht an die Wand oder z.B. ein Tischbein gehängt werden, damit die Elektrolytflüssigkeit nicht auslaufen konnte. (Fotos zeigen, dass sich hieran nicht wirklich gehalten wurde)
Während des Transportes musste das Feldelement aus dem Beikasten entfernt werden, die Zuleitungsschnur musste vom Tischfernsprecher 38 abgeklemmt und zusammengelegt in den freien Raum neben den Anschlussklemmen des Beikastens verpackt werden.

Sofern der Beikasten defekt oder verlustig war, konnten die Teilnehmerleitungen, das Feldelement und der zweite Wecker auch unmittelbar an die Klemmen des Tischfernsprechers 38 angeschlossen werden. 

Wer die genaue technische Funktionsweise verstehen möchte, der sollte versuchen die folgende Erläuterung des Stromlaufplanes zu verstehen.

 

Erläuterung des Stromlaufplanes

1. Bei OB-Betrieb

Die Teilnehmerleitung wird an die Klemmen La/OB/SB des Beikastens oder direkt an den Tischfernsprecher angeschlossen.

Abgehender Rufstrom:
Die Induktorkurbel wird gedreht. Hierbei ist die Wicklung des Induktors über den Induktorumschlter (Kontakt 2) an die Leitung zur Gegenstelle gelegt und der eigene Wecker kurzgeschlossen.
Der Rufstrom fließt über:
Induktorwicklung, Induktorumschalter (Kontakt 2), Klemme Lb/E, Leitung b-Ader oder Erde, Gegenstelle, Leitung a-Ader, Klemme La/OB/SB, Gabelumschalter (Kontakt U5), Induktorwicklung.
Ankommender Rufstrom:
Der Wechselstromwecker und der zweite Wecker (falls dieser angeschlossen ist) spricht an:
Gegenstelle, Leitung a-Ader, Klemme La/OB/SB, Gabelumschalter (Kontakt U5), Induktorumschalter (Kontakt 1), Wechselstromwecker, Klemme Lb/E, Leitung b-Ader oder Erde, Gegenstelle.

Abgehender Sprechwechselstrom:
Der Handapparat wird vom Gabelumschalter abgenommen. Hierbei legen sich sämtliche U-Kontakte um.
a) Primärer Stromkreis (Mikrofonkreis)
Mikrofonbatterie (-), Klemme MB, Gabelumschalter (Kontakt U1), Mikrofon, Sprechtaste, Primärwicklung 1 der Sprechspule, Klemme MB, Mikrofonbatterie (+).
b) Sekundärer Stromkreis (Sprechstromkreis):
Sekundärwicklung 3 der Sprechspule, Widerstandswicklung 4 der Sprechspule, Gabelumschalter (Kontakt U2), Kondensator C2, Induktorumschalter (Kontakt 1), Gabelumschalter (Kontakt U4), Kondensator C1, Klemme La/OB/SB, Leitung a-Ader, Gegenstelle, Leitung b-Ader oder Erde, Klemme Lb/E, Sekundärwicklung 2 und 3 der Sprechspule.

Ankommender Sprechwechselstrom:
Gegenstelle, Leitung a-Ader, Klemme La/OB/SB, Kondensator C, Gabelumschalter (Kontakt U4), Induktorumschalter (Kontakt 1), Kondensator C2, Gabelumschalter (Kontakt U2), Kondensator C3, Fernhörer (bzw. über Widerstandswicklung 4 oder 3 der Sprechspule - siehe Dämpfungsschaltung im Feldfernsprecher 33 n.A. ARTIKEL FF33!!!), Sekundärwicklung 2 der Sprechspule, Klemme Lb/E, Leitung b-Ader oder Erde, Gegenstelle.

Schlussruf:
Die Induktorkurbel wird dreimal kurz gedreht.
Der Stromlauf ist genau so wie beim abgehenden Rufstrom beschrieben.

Hersteller Tischfernsprecher 38

 

2. Bei OB/SB-Betrieb

Der Anschluss der Teilnehmerleitung ist mit dem Anschluss im OB-Betrieb identisch. Auch die Stromläufe für den abkommenden und abgehenden Ruf- oder Sprechwechselstrom.
Der große Unterschied zwischen dem OB-Betrieb und dem OB/SB-Betrieb besteht darin, dass bei Schlusszeichen die Induktorkurbel nicht gedreht werden darf!

Stattdessen erfolgt die Schlusszeichengabe auf der OB/SB-Vermittlung selbstständig, indem der Kontakt U5 beim Auflegen des Hörers geschlossen wird. Während des Gespräches war der Schlusszeichenstrom durch den Kondensator C1 abgeriegelt.

Schlusszeichenstromkreis:
OB/SB-Vermittlung, Leitung a-Ader, Klemme La/OB/SB, Gabelumschalter (Kontakt U5), Induktorumschalter (Kontakt 1), Wechselstromwecker, Klemme Lb/E, Leitung b-Ader, OB/SB-Vermittlung.

Aufhängung des Beikastens

 

3. Bei ZB-Betrieb

Die Teilnehmerleitung wird an die Klemmen La/ZB und Lb/E des Beikastens (oder direkt an den Tischfernsprecher) angeschlossen. Die Induktorkurbel darf nicht eingedreht werden.

Abgehender Rufstrom:
Durch Abnehmen des Handapparates wird der Stromkreis für das Anrufzeichen auf der ZB-Vermittlung geschlossen über:

ZB-Vermittlung, Leitung a-Ader, Klemme La/ZB, Gabelumschalter (Kontakt U4), Induktorumschalter (Kontakt 1), Wechselstromwecker, Klemme Lb/E, Leitung b-Ader, ZB-Vermittlung.

Die Stromläufe für den ankommenden Rufstrom und den ankommenden / abgehenden Sprechwechselstrom sind fast identisch mit dem Stromlauf des OB-Betriebs. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die a-Ader der Teilnehmerleitung an der Klemme La/ZB, also unmittelbar am Kontakt U4 liegt. Der Kondensator C1 ist nicht eingeschaltet. Zur Abriegelung des Vermittlungsgleichsstromes von der Sprechspule dient der Kondensator C2.

 


Der Schlusszeichenstromkreis

Der Schlusszeichenstromkreis ist genauso wie für den abgehenden Rufstrom beschrieben. Beim Auflegen des Handapparates wird jedoch dieser Stromkreis durch den Kontakt U4 unterbrochen und die Schlusszeichengabe auf der ZB-Vermittlung erfolgt selbsttätig.

 

Tischfernsprecher 38 - Seitenansicht 


Prüfung des Tischfernsprechers

Wie jedes technische Gerät im Einsatz musste auch der Tischfernsprecher vor Inbetriebnahme getestet und abgenommen werden.
Hierzu erfolgte im ersten Schritt eine Begutachtung der Teile und der Verkabelung. Diese erste Prüfung war eine typische Sichtprüfung. Es ist davon auszugehen, dass die Soldaten die Verkabelung von Beikasten und Tischfernsprecher beim Einpacken so beließen um beim Aufbau Zeit zu sparen. Gemäß Vorschrift musste der Beikasten aber beim Einpacken eigentlich vom Tischfernsprecher abgekoppelt werden, wodurch beim Aufbau auch eine Sichtprüfung der Kontakte möglich war.
Aber seien wir ehrlich: Wir hätten das teilweise auch nicht gemacht und uns die Arbeit gespart. :-)

Nach der Sichtprüfung begann die eigentliche technische Überprüfung. Zuerst wurde natürlich darauf geachtet, dass die Verbindungsschnur des Beikastens richtig nach den Farbkennzeichnungen angeschlossen ist. Wie die Farbkennzeichnungen korrekt an den Tischfernsprecher gehören habe ich bereits im Text erläutert. (WIEDERHOLUNG?)
Der Tischfernsprecher wurde danach angeschlossen und die folgenden Prüfungen wurden durchgeführt:

 

1. Blasprobe

a) Handapparat abnehmen, Sprechtaste drücken und kräftig gegen die Mikrofoneinsprache pusten -> Ein Rauschen muss hörbar sein.
b) Wie bei 1.a), dabei die Sprechtaste loslassen - Rauschen im Fernhörer darf nicht hörbar sein.
c) Wie bei 1.a), dabei die Gabelumschalter herunterdrücken - Rauschen im Fernhörer darf nicht hörbar sein.

Nach der Blasprobe sind geprüft: Feldelement (Batterie), Kontakt U1, Mikrofon, Sprechtaste, Wicklung 1, 3 (4) der Sprechspule und der Fernhörer.

2. Prüfung des Ruf-und Sprechstromkreises

Hierzu sind zwei Tischfernsprecher 38 erforderlich:
Die Klemmen La/OB/SB (bzw. La/ZB) und Lb/E des einen müssen mit den gleichen Klemmen des anderen Tischfernsprechers verbunden werden.
a) Beim Drehen der Induktorkurbel muss der Wecker im zweiten Tischfernsprecher ertönen, der eigene Wecker spricht nicht an!
b) Im umgekehrten Fall, beim Rufen der Gegenstelle, muss der eigene Wecker ertönen.

Geprüft sind: Induktor, Induktorumschalter (Kontakt 2), Kontakt U5, Wechselstromwecker.

c) Handapparat abnehmen, Sprechtaste drücken und ins Mikrofon blasen. Hierbei muss im Fernhörer der Gegenstelle ein starkes Rauschen, im eigenen Fernhörer ein schwaches Rauschen zu hören sein (Dämpfung).

Geprüft sind:

Primärkreis: Feldelement, Kontakt U1, Mikrofon, Sprechtaste, Wicklung 1 der Sprechspule.
Sekundärkreis: Abgehender Sprechwechselstrom, Wicklung 3 (4) der Sprechspule über Kontakt U2, Kondensator C2, Induktorumschalter (Kontakt 1), Kontakt U4, Kondensator C1 (bzw. Klemme La/ZB), Klemme La/OB/SB, Teilnehmerleitung, Klemme Lb/E, Wicklung 2 der Sprechspule.
Fernhörerkreis: Wicklung 3 und 4 der Sprechspule, Fernhörer und Dämpfungsschaltung der Sprechspule.

Tischfernsprecher 38 -  

Der Tischfernsprecher 38 gehörte zur festen Ausrüstung der Wehrmacht. Er wurde in relativ großen Stückzahlen produziert und häufig auch noch nach dem Krieg als Haustelefon verwendet. Seine einmalige, klobig wirkende Bauweise und die darin verbaute einfache aber effiziente und stabile Technik machten den Tischfernsprecher zu einem wichtigen Bestandteil der damaligen Fernmeldeausrüstung.

 

Verwendete Originalmaterialien und Vorschriften

  • Arbeitsunterlagen für den nachrichtentechnischen Unterricht - Heft 2 - Fernsprechgerätelehre - Sprechstellen Luftnachrichtenschule Halle / Saale Oktober 1942
  • Luftwaffen-Dienstvorschrift LDv 702/1
  • Heeres-Dienstvorschrift HDv 95/14

 

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