Der kleine Klappenschrank zu 10 Leitungen, welcher auch Feldklappenschrank genannt wurde, war ein typisches, speziell für den Fronteinsatz konzipiertes Gerät. Um den kleinen Klappenschrank möglichst kompakt zu halten wurde auf eine integrierte OB-Einrichtung verzichtet.

Klein und unscheinbar: Der Amtszusatz zum kleinen Klappenschrank
Klein und unscheinbar: Der Amtszusatz zum kleinen Klappenschrank


Eine OB-Einrichtung ermöglichte die Apparate direkt an das Postnetz anzuschließen. Da das Postnetz sehr häufig genutzt wurde (man nutzte was da war um den Nachrichtenbau möglichst simpel zu halten) gab es aber natürlich auch hierzu eine Lösung! Auch für kleine Feldvermittlungen musste eine Lösung bereit stehen.
Der kleine Klappenschrank zu 10 Leitungen besaß zwar keine integrierte OB-Einrichtung, dafür jedoch alle Konnektoren um ein OB-fähiges Koppelgerät anzuschließen.


Dieses Koppelgerät war der Amtszusatz für den kleinen Klappenschrank zu 10 Leitungen.
Der Amtszusatz enthielt wirklich alle Anschlussmöglichkeiten, welche mit damaligen Postnetzen in irgendeiner Form in Frage kamen.
Hierzu wurde er links neben dem Klappenschrank befestigt und bildete dann eine Einheit mit dem kleinen Klappenschrank.

 

Grundaufbau

Der Grundaufbau des Amtszusatzes für den Klappenschrank zu 10 Leitungen war sehr simpel. Er bestand einem Holzkasten mit einer aus Leder bestehenden fix angebrachten Tragelasche und einer Frontblente. Die Frontblende bestand aus folgenden Grundkomponenten:

  • Nummernscheibe für den Wahlvorgang
  • Anrufklappe
  • Abfragerufumschalter
  • Trenntaste
  • Besetztzeichen

 

Inbetriebnahme

Im ersten Schritt musste der Trageriemen des kleinen Klappenschranks abgenommen werden. Der Amtszusatz wurde dann links neben den kleinen Klappenschrank gestellt.
Der Amtszusatz besaß zwei Kontaktbügel, welche gelockert, ausgezogen und dann mit den speziell vorgesehenen Abfrageklemmen des kleinen Klappenschranks verbunden und fixiert wurden.
Der Feldfernsprecher, welcher als Abfrageapparat diente, musste dann an die freien Abfrageklemmen auf der linken Seite des Amtszusatzes angeschlossen werden.

 

Anschluss der Amtsleitung

Hierzu heißt es in der Dienstanweisung:
"Die Amtsleitung wird an die Klemmen La und Lb angeschlossen und entsprechend der Betriebsart des Amtes wird der Kontaktbügel so umgelegt, dass:
a) beim SB-Amt die mittlere Klemme mit der Klemme SB,
b) beim ZB- oder SA-Amt die mittlere Klemme mit der Klemme ZB/SA verbunden ist."

Sofern das Amt ein ZB/SA-Amt mit sogenanntem Erdungssystem war, wurde noch eine Erdleitung an die Klemme E angeschlossen um die Qualität der Sprechverbindung zu gewährleisten.

 

Einsatz eines Gleichstromweckers

Eine Sache funktionierte so jedoch noch nicht direkt: Ein Anruf, von Seiten der Amtsleitung aus kommend konnte nicht hörbar registriert werden. Hierzu musste ein Wecker eingesetzt werden.
Im ersten Schritt musste dann ein Gleichstromwecker an das Klemmenpaar W und eine Weckerbatterie (zwei Feldelemente in Reihenschaltung) an das Klemmenpaar WB angeschlossen werden.
Im nächsten Schritt mussten dann die Klemmen W und WB des Amtszusatzes mit den entsprechenden Klemmen W und WB des Klappenschrankes verbunden werden. Wenn nun ein Anruf aus der Amtsleitung erfolgte, klingelte der Gleichstromwecker.

 

Wie war das Prozedere bei angehenden Gesprächen, also vom Feldnetz in das Postnetz?

Die Klappe am Klappenschrank fiel, der Klappenschrankteilnehmer wurde abgefragt wie gehabt. (Siehe auch hier: Der kleine Klappenschrank zu 10 Leitungen)
Danach wurde die Abfragedrucktaste des Klappenschrankteilnehmers durch den roten Knopf ausgelöst und die zugehörige Vermittlungsschnur wurde in die Vermittlungsklinke des Amtszusatzes gesteckt.
Die Amtsverbindung wurde dann komplett am Amtszusatz wie folgt hergestellt:

  • Beim SB-Amt durch Umlegen des Abfrageschalters in die Stellung "Abfragen" und Rufen durch kurbeln des Induktors
  • Bei ZB-Amt durch Umlegen des Abfrageschalters auf "Abfragen"
  • Bei SA-Amt durch Umlegen des Abfrageschalters auf "Abfragen" und Wählen der Anschlussnummer durch die Wählscheibe.

Der Amtsteilnehmer welcher angerufen wurde konnte sofort sprechen. Damit der Klappenschrank jedoch weiter bedient werden konnte, musste der Abfrageschalter nach Herstellen der Verbindung wieder auf die Mittelstellung gebracht werden. Bei dieser Schalterstellung konnte der Klappenschrank dann weiter bedient werden, ohne dass es zu einem Abbruch der Verbindung durch den Amtszusatz kam.

 

Wie war das Prozedere bei ankommenden Gesprächen, also aus dem Postnetz in das Feldnetz?

Sobald ein Anruf aus dem Postnetz im Amtszusatz ankam, fiel die Weckerfallkappe des Amtszusatzes nach unten. Der Soldat an der Vermittlung konnte den Anruf dann abfragen, indem er den Abfrageschalter in die Stellung "Abfragen" brachte.
Die Vermittlungsschnur des gewünschten Gesprächteilnehmers wurde dann vom Klappenschrank in die Vermittlungsklinke des Amtszusatzes gesteckt. Der Abfrageschalter wurde auf "Rufen" umgelegt und der Klappenschrankteilnehmer konnte durch drehen des Induktors am Abfrageapparat gerufen werden.
Sofort nachdem der Teilnehmer gerufen wurde, musste der Abfrageschalter wieder auf "Abfragen" umgelegt werden. Sofern sich der Klappenschrankteilnehmer dann meldete, konnte das Gespräch sofort aufgenommen werden. Falls er sich nicht meldete, musste der Abfrageschalter wieder auf "Rufen" gestellt und der gewünschte Klappenschrankteilnehmer durch den Induktor gerufen werden.

 

 

Prozedere bei Gesprächsschluss

Egal ob die Verbindung vom Feldnetz in das Postnetz oder vom Postnetz in das Feldnetz hergestellt wurde: Bei Gespächsschluss wurde die Verbindung immer gleich getrennt.

Gesprächsschluss wurde von der Gegenstelle durch Kurbeln des Induktors und damit durch das Fallen der entsprechenden Weckerfallklappe angezeigt.
Der Soldat an der Vermittlung stellte den Abfrageschalter dann auf "Abfragen" und fragte ob noch gesprochen wird. Falls nicht, wurde die Vermittlungsschnur sofort aus der Klinke des Amtszusatzes gezogen und sofort der Trennknopf am Amtszusatz gedrückt.
Durch Drücken des Amtszusatzes verschwand dann auch das rote Besetzt-Schauzeichen am Amtszusatz.
Falls trotzdem noch gesprochen werden sollte, musste der Klappenschrankteilnehmer wieder wie beschrieben durch Umlegen des Abfrageschalters auf "Rufen" verbunden werden.

Auch Nachrichtensoldaten waren nur Menschen und so kam es selten vor, dass ein Gesprächsschluss eventuell nicht signalisiert wurde. Der Soldat am Klappenschrank konnte daher bei lang andauernden Gesprächen einfach den Abfrageschalter auf "Abfragen" umgelegen und kurz mithören, ob noch gesprochen wird.
Das ständige Abhören von Gesprächen war natürlich untersagt.

 

Der Amtszusatz war aus dem Nachrichtenwesen nicht wegzudenken. Er gehörte zum typischen Arbeitsmaterial aller Fernmeldesoldaten im zweiten Weltkrieg und bildete einen wichtigen Bestandteil in der technischen Ausrüstung der Nachrichtensoldaten. Er ermöglichte die Nutzung aller damals bekannten Postnetze unter gleichzeitiger Berücksichtigung höchstmöglicher Mobilität.

 

 

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