Die Vermittlungsschnur war ein zentrales Element der Fernmeldetechnik bei der Reichswehr und später der Wehrmacht.
Sie wurde grundlegend genutzt um einfache Vermittlungen herzustellen. So bestand die Grundidee darin, mehrere Feldfernsprecher mit unterschiedlichen Leitungen zusammenzustellen und diese in einer Betriebsstelle schnell durch die Vermittlungsschnur miteinander zu verbinden. Vermittlungsschnüre wurden zu jener Zeit von sehr vielen Nationen in der vorhandenen militärischen Fernmeldetechnik genutzt. Sie unterschieden sich grundlegend nur optisch.
Der wahre Einsatz ging dann weit über diese reine Nutzung hinaus, wie man z.B. beim Vermittlungskästchen oder beim Ringüberträger sieht.

Unterschiedliche Ausführungen von Vermittlungsschnüren
Unterschiedliche Ausführungen der Vermittlungsschnur

 

Technische Beschreibung

Die Vermittlungsschnüre wurden direkt an die Stöpsel angeschlossen. Sie bestanden aus zwei oder je nach Verwendung drei Adern in Litzenform, wobei in der Regel nur zwei genutzt wurden. In frühen Dienstbeschreibungen werden sogar nur zwei Adern angegeben. Die dritte Ader wurde lediglich bei wenigen großen Fernmeldeanlagen genutzt.

Vermittlungsstöpsel im Detail
Vermittlungsstöpsel im Detail

Die drei Kabel waren mit Kabelschuhen an die entsprechenden Stöpselteile angeschlossen und wurden mit einer Klemmschraube fixiert. Alle drei Kabel waren vollständig voreinander isoliert und wurden zusätzlich durch einen Spinnstoff zu einer Kabelschnur zusammengefügt.

Der Stöpsel bestand aus der Spitze (a), dem Hals (b) und dem Schaft (c). Genau genommen bestand der Stöpsel aus einem Stahlstift und zwei darüber geschobenen Messingröhren. Zwischen diesen drei Stöpselkomponenten war jeweils ein kleines Isolationsröhrchen aus Presstoff übergezogen.
Der Kontaktteil a wurde als "Spitze" und Kontaktteil b als "Hals" bezeichnet. Der äußere Kontakt, also Kontakt c, wurde als "Schaft" bezeichnet.

Aufbau der Vermittlungsschnur
Aufbau der Vermittlungsschnur

Dahinter wurde der Stöpselgriff aufgeschraubt. Dieser wurde aus Presstoff gefertigt. Direkt hinter dem Stöpselgriff befand sich die Griffschraube und dahinter ein separater Schnurschutz. Der Schnurschutz bestand aus einer einfachen Drahtfeder, welche verhindern sollte, dass die Schnuradern in gestecktem Zustand geknickt werden und die Schnur hierdurch unbrauchbar wurde.
Dieser Schutz war auch nötig, da im schnellen Betriebsablauf schnell mal ein Kabel geknickt werden konnte. Selbst bei diesem kleinen, einfachen Bauteil wurde Ausfallsicherheit groß geschrieben.

Wenn man den Griff abschraubt, findet man bei den meisten Vermittlungsschnüren eine Herstellerangabe, das Herstellungsjahr und die entsprechende DIN auf der glatten Messingbuchse, wie die folgenden Bilder gut zeigen:

Aufgeschraubte Buchse des Vermittlungsstöpsels
Aufgeschraubte Buchse des Vermittlungsstöpsels
Hersteller, Jahr und DIN-Kürzel auf einem Vermittlungsstöpsel
Hersteller, Jahr und DIN-Kürzel auf einem Vermittlungsstöpsel

Wer sicher gehen will, dass eine entsprechende Klinke wirklich aus der Zeit bis 1945 produziert wurde, für den lohnt sich eventuell der Blick unter den Griff. Anzumerken ist jedoch, dass diese Stanzungen nicht auf allen zeitgenössischen Stöpseln zu finden sind. Ein weiteres und gleichzeitig das wichtigste Indiz für die Herkunft ist vor allem die Machart der Vermittlungsschnur.

 

Vermittlungsklinken

Um zu verstehen, weshalb der Stöpsel in dieser Stufenform aufgebaut war, macht es Sinn sich die Vermittlungsklinken, welche damals im Einsatz waren, näher anzusehen.

Aufbau der Vermittlungsklinke
Aufbau der Vermittlungsklinke

Eine solche Klinke bestand grundsätzlich aus drei (oder im Falle von 3 eingesetzten Adern vier) Teilen, und zwar aus der Klinkenbuchse und zwei (je nach Adern auch drei) unterschiedlich langen Kontaktfedern. Auch hier waren wieder alle Federn voreinander durch Isolierscheiben aus Pressstoff isoliert. Die Federn liefen in einen gemeinsamen Halter, an welchem sie montiert waren. Das hintere Ende der Federn lag offen und war mit Lötlitzen zum Anschließen der Leitungen versehen.
Wenn nun der Stöpsel in die Klinke gesteckt wurde, lag die a-Ader an der kurzen und die b-Ader an der langen Feder an. Die Klinkenbuchse nahm die c-Ader auf, sofern diese benötigt wurde.
Damit der Stöpsel nicht zu weit gesteckt wurde, wurde auf den Schaft (c) noch eine Wulst montiert. Diese begrenzte die Stecktiefe und sorgte für den perfekten Sitz des Stöpsels.

Eine besondere, etwas seltener eingesetzte Form der Klinke war die sogenannte Trennklinke. Sie diente dazu Kontakte zu bestätigen. Beim Hineinstecken des Stöpsels haben sich die Kontaktfedern auseinandergebogen, der Kontakt war unterbrochen und die Leitung wurde als belegt angezeigt.

Aufbau einer Trennklinke
Aufbau einer Trennklinke

Es gab einzelne Klinken, wie z.B. im Vermittlungskästchen, es gab jedoch natürlich auch große Mengen an Klinken bei entsprechenden Fernmeldeanlagen. Sobald eine größere Anzahl an Klinken benötigt wurden, so wurden sie in der Regel zu Klinkenstreifen mit einer Anzahl von 10 oder 20 Klinken zusammengefasst. Beispiele hierfür sind der kleine oder der große Feldklappenschrank.

Diese beiden Komponenten wurden in großer Anzahl hergestellt und verwendet. Somit gehören sie sicherlich nicht zum seltensten Fernmeldezubehör. Da jedoch viele Klinken und Vermittlungsstöpsel auch nach dem Krieg weiterverwendet wurden, sind Originale aufgrund des vergangenen Verschleißes heute nicht mehr sehr häufig zu finden.
Fakt ist, dass diese beiden unscheinbaren Komponenten essentiell für den funktionierenden Fernmeldebetrieb waren und über alle Jahre hinweg gute und sichere Dienste geleistet haben. Ein Kabelbruch, so wie es bei heutigen Kabeln häufig der Fall ist, gab es bei diesen stabilen Schnüren nicht.

 

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