Einführung: Was sind Truppenkennzeichen und was ist die "Waffenfarbe"?

Truppenkennzeichen wurden bereits in der Reichswehr mit Stolz von den Soldaten getragen. Unter dem Begriff "Truppenkennzeichen" versteht man eine Kennzeichnung auf der Uniform, welche es ermöglichte den Träger dieser Uniform direkt einer klaren Einheit und Waffengattung zuzuordnen.

Soldat der Wehrmacht mit Regimentsnummer auf der Schulterklappe
Funker des Infanterie-Regiments 21 - Aufnahme aus dem Jahr 1934 - noch mit Stahlhelm M18

Die Waffengattung konnte anhand der Waffenfarbe erkannt werden. So hatten die Nachrichtentruppe z.B. Zitronengelb, die Pioniere Schwarz und die Artillerie Rot als Waffenfarbe.
Je nach Anzugsart konnte die Waffenfarbe z.B. an der Farbe der Kragenspiegel, der Mützenbiese oder aber bei Ausgehuniformen an den Vorstößen erkannt werden. An der Felduniform war die Waffenfarbe im Gegensatz zu Ausgehuniformen nur anhand der Vorstöße der Schulterklappen zu erkennen.

Schulterklappen und Aufschiebeschlaufen der Wehrmacht
Schulterklappen und Aufschiebeschlaufen der Wehrmacht

Die Truppenkennzeichnung ermöglichte jedoch nicht nur die Zuteilung zur entsprechenden Waffenfarbe, sondern sogar zu einer bestimmten Einheit, Kompanie oder einem Regiment.
Hierzu wurden auf den Schulterklappen Buchstaben, Symbole (beides meist in gotischer Schriftart) und Nummern (in römischer und lateinischer Schriftform) angebracht oder aufgestickt.

Es gab also Metallabzeichen und gestickte Abzeichen. Hierbei ist zu beachten, dass das Tragen von Metallabzeichen eigentlich nur den Offizieren und den Portepeeunteroffizieren gestattet war. "Eigentlich", da viele Fotos beweisen, dass es manch ein Mannschaftsdienstgrad im Feld mit dieser Bestimmung nicht so genau nahm!

Schulterklappe eines Wachtmeisters (Feldwebel) des Artillerie-Regiments 33
Schulterklappe eines Wachtmeisters (Feldwebel) des Artillerie-Regiments 33

 

Einführung der Aufschiebeschlaufen im Heer

Die Metallabzeichen für die Schulterklappen und die bestickten Schulterklappen sollten mit einer Verfügung vom 24.01.1940 (Heeresmitteilung 40, Nr 159) für Mannschaften und Unteroffiziere langsam ausgesondert werden.
In dieser Verfügung wurden nämlich die sogenannten Aufschiebeschlaufen eingeführt.

Soldat der Nachrichtentruppe beim Messen mit einem Feldmesskästchen 18
Soldat der Nachrichtentruppe beim Messen mit einem Feldmesskästchen 18

 

Diese Aufschiebeschlaufen bestanden aus feldgrauem Stoff, waren zwischen 2,5 und 3,5 cm breit und hatten die Abzeichen durch sogenannte Kurbelstickerei aufgekurbelt. Das Stickmuster erinnert ein wenig an Ketten, weshalb sie auch Kettenstickerei genannt wird.

Schulterklappe eines Funkers der Nachrichtenabteilung 34
Schulterklappe eines Funkers der Nachrichtenabteilung 34 - Typische Kurbelstickerei.
Aufschiebeschlaufe des Infanterie-Regiments 112
Aufschiebeschlaufe des Infanterie-Regiments 112

Die Abzeichen wurden in der jeweiligen Waffenfarbe aufgebracht. Hier fingen bereits die ersten großeren Materialeinsparungen an, denn der Zweck dieser Aufschiebeschlaufen hat weniger einen Tarngrund wie oft behauptet wird. Das Ziel war eine Materialeinsparung und die Vereinfachung von Produktionsprozessen!
Laut der genannten Verfügung sollten die Metallabzeichen im Ersatzheer aufgebraucht werden, wobei laut Verfügung vom 17.05.1940 (Heeresmitteilung 40, Nr. 622) dann auch im Ersatzheer Aufschiebeschlaufen verwendet werden sollten.

Der militärische Nutzen dieser Aufschiebeschlaufen an der Front war gering:
Im Krieg kam es zuerst weniger, aber gegen Kriegsende immer häufiger zu Versetzungen, Zusammenlegungen, Umbenennungen, etc. von Einheiten. Aufschiebeschlaufen waren einfacher zu ändern und zu ersetzen als feste Schulterklappen.

Interessant wird diese Thematik unter der Tatsache, dass es fast stetig durch den gesamten Krieg hindurch immer wieder Änderungen der Bestimmungen zum Führen von Truppenkennzeichen gab. Truppenkennzeichen sind für die eigenen Einheiten sehr informativ und helfen sicherlich in der ein oder anderen Situation.
Gleichzeitig konnten Truppenkennzeichnungen auch sehr verräterisch sein, wenn sie zum Beispiel durch feindliche Aufklärung ausgespäht wurden. Dann wusste der Feind sofort welche Einheit sich an welchem Standort befand. Daher mussten zu Kriegsbeginn die fix angebrachten Truppenkennzeichen durch Tuchschlaufen abgedeckt oder sofern sie aus Metall waren abgenommen werden.
Diese Regelungen wurden stetig geändert. Mal durften sie getragen werden, mal nur auf Korps- und Regimentsebene, mal nur auf Ebene des allgemeinen Feldheeres, usw.. Hier existierte wirklich ein Wirrwarr an unterschiedlichen Verfügungen und Befehlen.

Aufschiebeschlaufe einer Aufklärungskompanie der Nachrichtentruppe
Aufschiebeschlaufe einer Aufklärungskompanie der Nachrichtentruppe

 

"Grundlegender Befehl 21" vom 06.02.1944

Und jetzt kommen wir zu dem Grund, wieso viele Aufschiebeschlaufen aus typischem Spätkriegsmaterial hergestellt wurden:
Am 06.02.1944 verfügte Hitler persönlich durch einen Zusatz in einem "Führerbefehl", dem sogenannten "Grundlegenden Befehl 21", das Tragen der Aufschiebeschlaufen mit Truppenkennzeichnungen!
Ab diesem Zeitpunkt gab es nur zwei Ausnahmen, in welchen das Abnehmen von Truppenkennzeichnungen erlaubt oder sogar vorgeschrieben war:
1. Sofern die entsprechenden Kommandobehörden das Abnehmen der Truppenkennzeichnungen befohlen
2. Bei Verlegung in das "Heimatkriegsgebiet" (Gültig ab 15.06.1944 durch einen ergänzenden Befehl)

Und als wäre das Alles nicht schon verwirrend genug: Aufgrund von Rohstoffmangel mussten ab dem 15.05.1944 (durch die Heeresmitteilung 44, Nr. 308) alle Truppenabzeichen aus feldgrauem Garn hergestellt werden. Soweit zur Theorie.

Funker der Nachrichtentruppe bei der Ausbildung
Funker der Nachrichtentruppe bei der Ausbildung

 

Trageverhalten in der Realität

In der Realität wurden diese Aufschiebeschlaufen an der Front tatsächlich nicht allzu häufig von den Soldaten verwendet. Gerade die Portepeeträger widersetzten sich häufig dieser Bestimmung und trugen weiterhin ihre Metallabzeichen. Diese Abzeichen konnten auch privat beschafft werden und wie man an vielen zeitgenössischen Bildern erkennen kann, hörten die Produktion und die Nutzung von Metallabzeichen wahrscheinlich nie auf.
Wenn man wirklich darauf achtet, sieht man Aufschiebeschlaufen auf originalen Fotos tatsächlich ab und an einmal. Aber wenn man sich wirkliche Frontbilder ansieht, dann stellt man zügig fest, dass hier Aufschiebeschlaufen seltener zu sehen sind. Das liegt zum einen daran, dass sie erst sehr spät wirklich sicher vorgeschrieben wurden, aber zum Anderen ganz sicher auch daran, dass die Befehle der Trageverfügungen teilweise nicht kommuniziert wurden und schlichtweg nicht bei den Soldaten ankamen.
Es ist davon auszugehen, dass viele Soldaten hiervon nicht wussten oder sich tatsächlich bewusst dem Tragen der Aufschiebeschlaufen verweigerten.

Frontaufnahme eines Funkers mit Aufschiebeschlaufen
Frontaufnahme - Zwei Funker mit Aufschiebeschlaufen an den Schulterklappen

Trotzdem waren die Aufschiebeschlaufen ein wichtiger Bestandteil der Uniformen des Heeres und sie wurden durchaus auch entgegen vieler Meinungen genutzt! Alleine die Tatsache, dass Soldaten häufig gerne zeigten zu welcher Einheit sie gehörten steht dafür, dass die Aufschiebeschlaufen trotzdem eine große Rolle gespielt haben. Hierbei muss man bedenken, dass die Soldaten häufig eigenmächtig oder auf separaten Befehl ihrer Vorgesetzten die entsprechenden Truppenkennzeichnungen vornahmen. Im Krieg war eben doch nicht immer alles nach Vorschrift. Genau aus diesem Grund sind gerade Uniformen und Ausrüstungsstücke, welche von den Soldaten individuell auf ihre Geschmäcker und Bedürfnisse angepasst wurden so interessant!

 

Quellen

- Heeresmitteilung 40, Nr 159

- Heeresmitteilung 40, Nr. 622

- Grundlegenden Befehl 21

- Heeresmitteilung 44, Nr. 308

"Die deutsche Wehrmacht - Uniformierung und Ausrüstung" Band 1 von Schlicht und Angolia, Motorbuchverlag Stuttgart, 1993