Immer wenn ich Veteranen danach fragte, was das zuverlässigste Fahrzeug im Krieg war, dann bekam ich häufig eine schnelle und interessante Antwort:
Das Pferd!

Und das war auch grundlegend bei der Nachrichtentruppe und den Nachrichtenabteilungen so!

Umso wichtiger erscheint es, dass die Pferdeausrüstung der Wehrmacht genauer betrachtet wird. Denn dieses Kapitel wird bis heute leider viel zu wenig betrachtet. 

Soldat der Wehrmacht mit Pferd 


Bevor die eigentliche Einleitung dieses Themas beginnt, müssen zwei wichtige Begriffe definiert werden:

  • Motorisiert (mot.) - Voll mit Kraftfahrzeugen ausgestattet
  • Bespannt (besp.) - Mit Pferden und Feldwagen ausgestattet.

Häufig liest man in Einheitsnamen der Wehrmacht zum Beispiel folgendes: "Nachr. Ers. Abtl. 33 (mot)".

Den ausgeschriebenen Namen der Einheit, in diesem Fall Nachr. Ers. Abtl., leiten sich die meisten Menschen selbst her. In diesem Beispiel handelt es sich um die Nachrichten Ersatz Abteilung 33.
Der Zusatz (mot). steht für "motorisiert". Warum aber wurde dieser Begriff überhaupt zusätzlich eingebracht?

Die Antwort ist ganz einfach: Die Wehrmacht war nicht, wie häufig geglaubt wird eine vollmotorisierte Armee, sondern tatsächlich wurde ein Großteil des mittleren und schweren Gerätes durch Pferde und Feldwagen transportiert!

Artilleristen der Reichswehr mit Protze
Artilleristen der Reichswehr mit Protze

Außerdem waren viele Soldaten aufgrund von Sonderaufgaben oder ihrer Tätigkeit beritten.

Anzumerken ist natürlich, dass die Motorisierung der Wehrmacht einen hohen Stellenwert hatte und sie daher mit Fortschreiten des Krieges tatsächlich trotz immer weniger vorhandener Ressourcen stetig ausgebaut wurde.
Aber gerade in den ersten Kriegsjahren war ein Großteil der Einheiten komplett bespannt. Das sind Fakten, welche heute sehr häufig vollkommen unbekannt sind und übersehen werden. Pferde werden häufig mit veralteten Armeen gleichgesetzt. Viele stellen sich die Wehrmacht immer als vollmotorisierte Armee vor, welche mit Panzern und Fahrzeugkolonnen im Blitztempo voran (und später rückwärts) kam. Pferde, so stellen sich viele vor, hätten bei so etwas nur Nachteile.

Tatsächlich hatten Pferde bei Weitem nicht nur Nachteile! Pferde hatten für Aufklärungsabteilungen, die Artillerie, die Nachrichtentruppe und auch für andere Waffengattungen - je nach Einsatzart immense Vorteile! So sind Pferde zum Beispiel in bewaldetem, beengtem Gelände wesentlich beweglicher.
Im russischen Winter 1941 / 42 bewies sich das Pferd erneut als treuer Begleiter: Bei bis zu -50 Grad Celsius machten viele Fahrzeuge schlichtweg "schlapp". Während des Tauwetters quälten sich die Pferde schneller durch die vollkommen verschlammten Straßen als so manches Fahrzeug. Ein Kraftakt für Mensch und Tier, der viele Opfer forderte, blieb es trotzdem!

Die fortschreitende Motorisierung verdrängte das Pferd ab der zweiten Kriegshälfte 1942 / 1943 nach und nach im Bereich der bespannten Wagen.
Trotzdem waren Pferde weiterhin fester Bestandteil der Wehrmacht! Die Kavallerie schrumpfte übrigens über die Kriegsjahre hinweg. Viele Kavallerieverbände wurden zu Aufklärungsverbänden umstrukturiert oder aber in Panzerkoprs eingegliedert. Trotzdem verblieben bis zum Kriegsende 7 Kavalleriedivisionen, welche einen wichtigen Dienst innerhalb der Wehrmacht leisteten.
Kleine Aufklärungsfahrzeuge und Radfahrschwadronen durchzogen das ehemalige Bild der Kavallerie.
Aber hier muss wieder betont werden, dass Pferde in allen Truppengattungen anzutreffen waren! Der Einsatz von Pferden beschränkte sich absolut nicht nur auf Kavallerieregimenter! Pferde gehörten zu der Wehrmacht genau wie die Soldaten. Sie waren fest in die Truppe integriert!

Reiter der Wehrmacht beim Vormarsch in Russland 1941
Eine Nachrichtenabteilung der Kavallerie beim Vormarsch in Russland 1941

Ross und Reiter gehörten auch zum festen Bestandteil der Nachrichtentruppe, wobei die Motorisierung gerade im Funkbereich zu Recht weit ausgebaut wurde.
Funkanlagen sind sehr schwer und ein Funkraum, in welchem der Funkbetrieb auch auf der Fahrt problemlos aufrecht erhalten blieb war immens wichtig für die Nachrichtentruppe.
Pferde wurden daher eher zum Transport als zum Betrieb von Funk- oder Fernmeldeanlagen genutzt. Es gab keinen Feldwagen für große Sendeanlagen, wohl aber kleinere bis mittlere Fernsprech- und Funkwagen.
Außerdem gab es bis zum Ende des Krieges mehrere Kavallerie-Nachrichtenabteilungen.

Es gab auch bei der Nachrichtentruppe viele berittene Einheiten. Einzelne Reiter und Gespanne waren auch gegen Kriegsende noch vollkommen normal bei der Nachrichtentruppe.
Nicht alle Soldaten, aber durchaus jene, für welche die Verwendung als Reiter oder Kutscher vorgesehen war, mussten das Reiten und den Umgang mit dem Geschirr beherrschen!

Einige Nachrichtenabteilungen verfügten gerade zu Beginn des Krieges über eine ordentliche Anzahl an Feldwagen. Nachrichteneinheiten wurden mit drei Arten von Wagen ausgestattet:

  1. Der leichte Fernsprechwagen (Protzfahrzeug)
  2. Der kleine gefederte Feldwagen 16
  3. Der Kleinfunkwagen (Protzfahrzeug)

Die Reitausrüstung der Wehrmacht stellt einen großen Themenbereich dar, welcher bis heute noch immer nicht vollends aufgearbeitet wurde. In den folgenden Beiträgen soll diese Thematik weiter behandelt und erläutert werden.

Beschreibung Stangenpferd Wehrmacht