Sie war in allen Unterkünften der Luftwaffe zu finden, schenkte ausreichend Licht und zusätzlich Wärme. Auch heute findet man sie manchmal als Dekorationsobjekt:
Die Unterkunftslaterne der Luftwaffe.

Laterne Luftwaffe
Drei Varianten der Unterkunftslaternen

 

Ihr einfacher Aufbau und ihre großen Glasfenster machten sie auch nach dem Krieg zu vielfach genutzten Laternen, vor allem im landwirtschaftlichen Bereich.
Aber wieso gab es damals so viele dieser Laternen?

Die Soldaten der Luftwaffe waren häufig auf schnell errichteten Feldflugplätzen oder Flakständen untergebracht.
Entscheidend für die Auswahl der Stellungen und Flugplätze war die strategisch gute und geländegängige Lage. Die meisten Städte und Dörfer Westeuropas besaßen derzeit bereits ein recht gut ausgebautes Stromnetz. Im Osten jedoch mangelte es sehr häufig an einem guten Stromnetz.
Je nachdem, wo die Stellungen lagen gab es schlichtweg keinen Strom. Die Beleuchtung der Baracken und Unterstände musste daher häufig auf anderem Wege organisiert werden.
In den Betriebsräumen wurde größtenteils auf Strom von Generatoren zurückgegriffen. In den restlichen Räumlichkeiten wurde das Licht jedoch auf altbewährtem Wege, nämlich durch Kerzenlicht erzeugt. Diese Lösung war einfach, günstig und praktikabel.
Das sind einige der wichtigsten Gründe, weshalb es so viele dieser Laternen gab.

Noch unbeschwert: Drei Soldaten der Luftwaffe genießen 1938 den Abend
Noch unbeschwert: Drei Soldaten der Luftwaffe genießen 1938 den Abend. Deutlich erkennbar: Die Unterkunftslaterne


Die Unterkunftslaternen wurden bis ca. 1942 vorwiegend aus Aluminium gefertigt. Ab ca. 1942 wurden dann vermehrt Unterkunftslaternen aus Zinkblech hergestellt. Bei diesen Varianten war der Lüftungsdeckel noch abnehmbar, bis dann ab ca. 1943 / 1944 das letzte Grundmodell dieser Laternen komplett aus lackiertem Blech hergestellt wurde. Bei diesen Spätkriegsstücken war der Lüftungsdeckel nicht mehr abnehmbar. Stattdessen wurde das gesamte Oberteil aus einem Stück gezogen.
Auch hier musste im Laufe des Krieges mehr und mehr eingespart und schneller produziert werden. Aluminium wurde sehr schnell für die Produktion von Flugzeugteilen benötigt und aus der Produktionskette abgezogen. Auch hochwertiges Blech wurde immer seltener und hieraus ergaben sich dann diese unterschiedlichen Variationen.

Das Innere der Unterkunftslaterne
Das Innere der Unterkunftslaterne


Aufbau der Unterkunftslaterne

Die Unterunftslaternen hatten bis zum Produktionsende stets den identischen Aufbau:
- Gelochte Grundplatte zur ausreichenden Luftzirkulation
- Vier Füße zum hinstellen (gestanzt oder genietet)
- Kerzenhalter (gestanzt oder geschweißt) auf der Grundplatte
- Kastenaufbau mit drei Fenstern
- Scharnier für die Kastentür
- Kastentür mit Schließscharnier
- Steg zum Schließen
- Vier Gläser in zwei Variationen:
- Matt für weniger Lichtdurchlässigkeit
- Durchsichtig für komplette Lichtdurchlässigkeit
- Pro Fenster jeweils zwei gekreuzte Stege zum Schutz der Gläser
- Biegeanker an Inneren der Fenster und Türen zum Befestigen der Gläser
- Kopfteil mit gezogenem Rohr
- Abnehmbarer,gelochter Lüftungsdeckel (Bei späten Modellen direkt mit dem Kopfteil geprägt)
- Zwei Halter für den Henkel (angenietet oder geschweißt)
- Gebogener Henkel mit Haken zum Aufhängen der Laterne

Auf den ersten Blick sind das zwar viele Teile, doch bei genauerem Hinsehen bemerkt man schnell den einfachen und praktikablen Aufbau.

Lüftungsdeckel und Henkel in Nahaufnahme
Lüftungsdeckel und Henkel in Nahaufnahme
Der Lüftungsdeckel - Bei allen Modellen bis zur Spätkriegsphase abnehmbar
Der Lüftungsdeckel - Bei allen Modellen bis zur Spätkriegsphase abnehmbar

 

Auf dem Laternenboden wurden immer Hersteller, Herstellungsjahr und die Fl.U.V.-Abnahme mit dem Luftwaffenadler gestanzt.
Fl.U.V. steht für "Flieger-Unterkunfts-Verwaltung". Diese Verwaltungsbehörde war für die gesamte Logistik von allem Material im Unterkunftsbereich der Luftwaffe verantwortlich.

Laternenboden
Der Laternenboden mit den vier Füßen. Gut zu sehen die Lüftungslöcher
Stanzungen am Laternenboden
Stanzungen am Laternenboden
 Fl.U.V. Abnahme, Hersteller und Herstellungsjahr
Fl.U.V. Abnahme, Hersteller und Herstellungsjahr

Diese Laternen wurden übrigens in einem etwas kompakteren Format, aber mit identischem Aufbau bei der Reichsbahn verwendet. Diese Modelle konnten fest installiert werden.

Zur Regulierung der Lichtdurchlässigkeit konnten die matten oder eben die durchsichtigen Gläser genutzt und variiert werden.

Nahaufnahme des Laternenhakens
Nahaufnahme des Laternenhakens

 

Wo wurden sie genutzt?

Die Flamme der Kerze war vollkommen windgeschützt und so wurde die Laterne definitiv auch für den Außeneinsatz konstruiert und hier eben auch genutzt.
Eine häufige Behauptung ist jedoch, dass Start- und Landebahnen mit diesen Laternen ausgeleuchtet wurden. Dies konnte ich jedoch trotz jahrelanger Recherche nie eruieren.
Es existieren keinerlei Beweisbilder und auch Veteranen haben mir gegenüber diese These stets verneint.

Der Steg zum Schließen der Tür
Der Steg zum Schließen der Tür. Auch hier ein simples Stück gebogenes Aluminium.

Das elektrisches Licht zur Markierung der Landebahn genutzt wurde ist weithin bekannt und vielfach in Literatur beschrieben.
Die Tarnung von Feldflugplätzen war ungemein wichtig, daher ist eine Ausleuchtung mit Kerzenlicht im Grunde genommen absolut unwahrscheinlich und wird wenn überhaupt nur in Notfällen erfolgt sein.
Außerdem konnten die Nachtjäger auch relativ problemlos im Dunkeln landen. Hierzu gab es schließlich auch diverse Funkfeuerverfahren.

Es ist davon auszugehen, dass diese Laternen lediglich im Unterkunftsbereich eingesetzt wurden. Das erklärt die großen Stückzahlen und auch die Anforderung durch die Fliegerunkerkunftsverwaltung.
Viele Veteranen, mit welchen ich Kontakt hatte konnte sich noch gut an diese schönen und einfachen Laternen erinnern.

Sie spenden auch heute noch Licht, wenn man das möchte, sind praktikabel und dekorativ. Vergleicht man sie mit modernen Dekolaternen merkt man, dass dieses auch heute noch beständig ist.