Troddel, Portepee und Fastriemen... Was ist das eigentlich?
In jedem Fall handelt es sich um Begriffe, welche in der heutigen Zeit fast vollkommen unbekannt sind!
Einige wenige kennen den Begriff "Portepee" heute noch aus der Bundeswehr. Dort gibt es die sogenannten "Portepeeträger". Hierbei handelt es sich heute um die Unteroffiziere ab dem Dienstgrad des Feldwebels.
Auch bei Reichswehr und Wehrmacht waren die Portepeeträger alle Dienstgrade ab Wachtmeister (bzw. Feldwebel).

Parade der Wehrmacht - Immer dabei: Blankwaffen, Troddel, Portepee und Faustriemen
Parade der Wehrmacht - Immer dabei: Blankwaffen, Troddel, Portepee und Faustriemen
Paradeanzug der Wehrmacht
Paradeanzugsordnung der frühen Wehrmacht

Der Begriff Troddel (nicht zu verwechseln mit dem "Trottel") ist heute jedoch auch im militärischen Bereich so gut wie verschwunden. Dabei wurde das Troddel damals von allen Dienstgraden unterhalb des Fähnrichs getragen.
Es handelt sich bei beidem jedoch nicht um Feldausrüstung, sondern eher um einen schicken Zusatz zum Ausgehanzug und der Paradeuniform.
Ein Schmuck, welcher an der Seitengewehrtasche (Koppelschuh), also der Bajonettaufnahme am Koppel, oder an den Zierdolchen getragen wurde.

Drei Seitengewehre der Wehrmacht - Deutlich zu sehen: Die Troddeln
Drei Seitengewehre der Wehrmacht. Mittig ein Dienstseitengewehr 84/98, jeweils daneben privat beschaffte Ausgehseitengewehre -
Deutlich zu sehen: Die Troddeln
Ausgehseitengewehre waren rein privat beschaffte Bajonette, welche nur der Zierde dienten.
Das Dienstseitengewehr (Mitte) war das typische Kampfbajonett der Wehrmacht.
Bindung von Troddel, Portepee und Faustriemen (Hier Ausführungen der Reichswehr)
Bindung von Troddel, Portepee und Faustriemen (Hier Ausführungen der Reichswehr)

 

Troddeln für Mannschaftsdienstgrade gab es in unterschiedlichen Farbgebungen. Durch diese Farbgebungen war es tatsächlich möglich den Träger eines Regiments genau seiner Einheit zuzuordnen.
Jedes Bataillon und darunter jede Kompanie hatten innerhalb ihres Regiments bestimmte Erkennungsfarben definiert. Und hier liegt der Schlüssel zur Erkennung.

Eine Ausnahme bildeten übrigens Kavallerie- und Schützenregimenter. Die Soldaten dieser Regimenter trugen sogenannte Faustriemen, auf welche im folgenden Text noch genauer eingegangen wird.

Farbe von Troddeln und ihre Bedeutung
Farbe von Troddeln, Portepees und Faustriemen und ihre Bedeutung

 

Um die Farbgebung zu erläutern sehen wir uns einmal den Aufbau eines Troddel für Mannschaften an:

  • Band - Dieses war für Soldaten des Regiments- und Bataillonsstabes und für die 13. und 14. Kompanie (Ersatzkompanien) dunkelgrün. Das Band aller anderen Soldaten des Regiments war grau.
  • Schieber - Hierbei handelt es sich um einen Schmuckknoten, der in der jeweiligen Kompaniefarbe eingefärbt war.
  • Stengel - Der Stengel bildete den Übergang zur Quaste. Er war in der Bataillonsfarbe eingefärbt.
  • Kranz - Der Kranz war genau wie der Schieber selbst in der jeweiligen Kompaniefarbe.
  • Quaste - Die Quaste war in der identischen Farbe wie der Riemen eingefärbt, also entweder dunkelgrün oder grau. Quasten der Reichswehr waren auslaufend. Quasten der Wehrmacht zusammenlaufend.
Band eines Troddels für Mannschaften
Band eines Troddels für Mannschaften

 

Die Waffengattung konnte man an einem Troddel nicht festmachen! Hierzu dienten die Effekten und ggf. Tätigkeitsabzeichen in der jeweiligen Waffenfarbe.

 

Drei unterschiedliche Troddel im Vergleich. Mittig ein Unteroffizierstroddel
Drei unterschiedliche Troddel im Vergleich. Mittig ein Troddel für Unteroffiziere, Fahnenjunker, Unterfeldwebel und Unterwachtmeister

 

Die Troddel für Unteroffiziere, Fahnenjunker, Unterfeldwebel und Unterwachtmeister hatten eine etwas andere Farbgebung:

  • Band - Dieses war immer grün mit drei Silberstreifen auf jeder Seite.
  • Schieber - Die Grundfarbe des Schiebers war dunkelgrün mit einem Muster aus Silberdrahtgeflecht.
  • Stengel - Identisch mit dem Schieber.
  • Kranz - Ebenfalls identisch mit dem Schieber.
  • Quaste - Diese war bei den Unteroffizieren immer in Silber gehalten.
Band eines Troddels für Unteroffiziere
Band eines Troddels für Unteroffiziere

 

Für Dienstgrade ab Feldwebel gab es kein Troddel. Hier gab es das sogenannte Portepee. Daraus erschließt sich auch, weshalb man die Dienstgrade ab Feldwebel auch heute noch die "Portepeeträger" nennt!

Das Portepee unterschied sich in zwei Versionen:

  1. Portepee für Offiziersdolche
  2. Portepee für Seitengewehr und Säbel

Der Offiziersdolch durfte trotz seines Namens ab dem Dienstgrad des Feldwebels getragen werden. Das Portepee für diesen Dolch bestand im kompletten aus Silberlitze, war also von Band bis zur Quase komplett silberfarben!

Heeresoffiziersdolch mit Portepee
Heeresoffiziersdolch mit Portepee
Bindung des Portepees am Offiziersdolch
Bindung des Portepees am Offiziersdolch

Das Portepee für Seitengewehr und Säbel bestand ebenfalls abgesehen vom Band aus Silberlitze. Das Band war beim Heer grün und bei der Luftwaffe blaugrau mit zwei, drei oder vier Silberstreifen aus Silberlitze.

Säbelportepee für Feldwebel und Offiziere
Säbelportepee für Feldwebel und Offiziere

Nun bleibt noch der Faustriemen übrig.
Wie bereits erwähnt, wurde der Faustriemen ausschließlich von Schützen- und Kavallerieregimentern getragen.
Die Grundfarbe des ledernen Riemens war entweder schwarz oder feldgrau. Das deutlichste Unterscheidungsmerkmal eines Faustriemens ist das Fehlen von Schieber und Stengel.

Fausriemen an einem Säbel eines Fähnrichs der Reichswehr
Fausriemen an einem Säbel eines Fähnrichs der Reichswehr
Bindung des Faustriemens
Bindung des Faustriemens von der an die Uniform anliegenden Seite

Der Faustriemen bestand aus nur vier Teilen:

  • Riemen aus schwarzem oder feldgrauem Leder.
  • Schieber - In der Farbe der Abteilung.
  • Kranz - In der Farbe der jeweiligen Schwadron.
  • Quaste - Bei Stabspersonal dunkel- und bei den restlichen Schwadronangehörigen hellgrün.


Die Fülle an möglichen Farb- und Tragekombinationen war natürlich immens aber trotzdem geregelt und daher für den geübten Soldaten jedes Regiments leicht zu bestimmen.
Die Bundeswehr trägt heute auf dem Ausgehanzug keine Blankwaffen mehr, daher sind diese Begriffe größtenteils aus dem militärischen Wortschatz verschwunden.
Aber eben nur "größtenteils"!

Damals war der Ausgehanzug und dessen korrekte Trageweise fester Bestandteil des Militärs
Damals war der Ausgehanzug und dessen korrekte Trageweise fester Bestandteil des Militärs
Wehe dem, dessen Koppel nicht korrekt saß!
Wehe dem, dessen Koppel nicht korrekt saß!

 

In der Militärgeschichte werden diese Begrifflichkeiten jedoch weiter bestehen, da sie einfach ein fester Bestandteil des Militärs waren. In Ländern wie z.B. Großbritannien, Spanien oder Frankreich sind ähnliche Uniformzierden bis heute fest verankert.