Ein besonderes Forschungsprojekt sind die Abnahmestempel der Wehrmacht. Grob wird hier in Abnahmestempel des Waffenamtes (WaA), des Waffenamtes der Kriegsmarine (M) und der Luftwaffe (BA und BAL) unterschieden.

Was genau wie warum gestempelt wurde, ist bis heute nicht zu 100% geklärt. Natürlich ist klar, was ein Abnahmestempel zu bedeuten hat. Wie es der Name schon vorgibt, handelt es sich um eine Bestätigung über die Geräteprüfung und über die Übernahme der Lieferung des Herstellers.

Die Abnahmen wurden von unterschiedlichen Abnahmeämtern durchgeführt, welche je nach Truppengattung in weitere Unterstellen gegliedert waren.

Erkennungsmarke Luftwaffen Bauamt
Erkennungsmarke eines Soldaten des Luftwaffen Bauamtes in Frankfurt am Main

Jedem Amt waren spezielle Beamte und Prüfer untergliedert, deren Aufgabe nicht zu unterschätzen war! Sie hatten die wichtige Aufgabe, sicherzustellen, dass das gelieferte Gerät den Anforderungen entsprach und somit eine reibungslose Verwendung gewährleistet war. Es handelte sich also um eine Art Qualitäts-und Übernahmesiegel.

Aber welche Ausrüstung und welches Gerät musste über einen solchen Stempel verfügen? Hierüber ist man sich bis heute in Fachkreisen uneins. Denn nicht alles wurde ordnungsgemäß mit einer Abnahme versehen. Eine recht einleuchtende Theorie besagt, dass häufig auch ganze Magen abgenommen wurden und hierbei nur Stichproben geprüft wurden. In der Regel sind auf allen technischen Geräten, bei welchen eine sorgfältige Prüfung immens wichtig war, immer Abnahmestempel zu finden! Das gilt besonders z.B. für Röhren oder Funkgeräte.

Nun eine kleine Frage: Was genau haben alle im Bild gezeigten technischen Gerätschaften und Ausrüstungsstücke gemeinsam?

Unterschiedliche technische Gerätschaften der Luftwaffe
Unterschiedliche technische Gerätschaften der Luftwaffe

Sie verfügen alle über eine spezielle Form der Abnahme, welche nur bei der Luftwaffe zu finden war. Über eine BA- oder eine BAL-Abnahme!

Die gezeigten Ausrüstungsgegenstände sind dabei nur Beispielhaft. BAL- und BA-Abnahmen findet man auf vielerlei Ausrüstung der Luftwaffe und vereinzelt auch auf Gerät des Heeres und der Kriegsmarine. Genauso findet man durchaus auch häufig Abnahmen des Heereswaffenamtes auf Ausrüstungsgegenständen der Luftwaffe.

 

Diese beiden Stempel sind zwar immer der Luftwaffe zuzuordnen, jedoch gibt es zwischen der BAL-Abnahme und der BA-Abnahme grundlegende Unterschiede.

Zuerst ist anzumerken, dass die BAL-Abnahme ganz klar für "Bauaufsicht der Luftwaffe" steht. Die Bauaufsicht der Luftwaffe war untergliedert in mehrere Regionalämter, sogenannte Luftwaffen Bauämter, welche entsprechend zur Prüfung der Ausrüstung abgestellt waren. Die Nummer unter dem BAL-Stempel ist nicht, wie oft zu lesen ist, einem bestimmten Prüfer zuzuordnen. Es handelt sich vielmehr um die Dienststellennummer, bzw. um die Nummer des entsprechenden Dienststellenleiters, unter dessen Verantwortung die Abnahme lag.

BAL-Abnahme neben dem Typenschild eines Langwellenempfänger Anton
BAL-Abnahme neben dem Typenschild eines Lw.E.a

Selbstverständlich hat der Leiter der jeweiligen Dienstelle nicht jede Abnahme eigenständig durchgeführt, sondern die Beamten und Prüfer der jeweiligen Dienststelle waren hierfür zuständig. 

Interessanter wird es bei der BA-Nummer. Diese Nummer wurde im Laufe des Krieges (nach bisherigen Informationen ca. 1941/42) eingeführt und sollte eine Vereinfachung darstellen. BA steht für "Betriebsabnahme" und genau das ist es auch! Eine Abnahme, welche direkt in den Betrieben durch größtenteils eigenes Personal erfolgte. Also nichts weiter als eine Qualitätssicherung innerhalb des eigenen Unternehmens. Hier sieht es mit den Nummern etwas anders aus! Jede Nummer war einem bestimmten Prüfer zugeteilt. Dies erklärt auch, weshalb manche BA-Abnahmen über eine fünfstellige Nummer verfügen.

BA-Abnahme auf einer Handleuchte für Bordfunker
BA-Abnahme auf einer Handleuchte für Bordfunker

Letztlich sind Abnahmen der Luftwaffe auf Geräten und vereinzelt auch auf Ausrüstung wichtige Indizien zur Beurteilung und Bestimmung dieser indirekten Zeitzeugen. Sie sind nicht auf jedem Gerät und auch nur sehr selten auf Ausrüstungsgegenständen zu finden. Umso interessanter ist die Suche nach einer solchen Abnahme, wobei die Stempel häufig an den identischen Stellen angebracht wurden. Viele Fragen bleiben leider offen. Die kurz vor Kriegsende zerstörten Dokumentationen können leider nicht wiederhergestellt werden. Daher bleibt die Forschung auf diesem Gebiet weiter spannend und die Hoffnung bleibt, dass neue Dokumente auftauchen und neue Erkenntnisse erarbeitet werden, welche hier weiterhelfen und Licht ins Dunkle bringen.