Die Nova-Technik GmbH ist vielen erst einmal unbekannt. Der Name NOTEK dagegen ist wesentlich bekannter. Dabei ist dieser Name von der Nova-Technik GmbH abgeleitet.
Warum ist der Name Notek so bekannt? Da beinahe jedes Fahrzeug der Wehrmacht mit einem Lichtsystem von Notek ausgestattet war: Gemeint ist das Kraftfahrzeug-Nachtmarschgerät!

Notek Kfz Nachtmarschgerät

Kfz 17 mit Notek-Scheinwerfer
Kfz 17 mit Notek-Scheinwerfer

 

Hintergrund

Viele militärische Bewegungen finden auch heute noch gerade in der Nacht statt und sollen vom Feind möglichst unentdeckt bleiben. Um jedoch nachts sicher fahren zu können, benötigt der Fahrer mindestens in sehr dunklen Nächten Licht.
Gleichzeitig ist für ein militärisches Kraftfahrzeug nichts verräterischer als Licht! Selbstverständlich war zu Beginn des zweiten Weltkrieges längst bekannt, wie wichtig das Tarnen von Lichtquellen ist! Selbst die Glut einer Zigarette konnte zu einer tötlichen Lichtquelle und über kilometerweite Entfernung gesehen werden.
Bei Kraftfahrzeugen wird wesentlich mehr Licht zum Fahren benötigt und daher wurde durch sogenannte Schlitzaufsätze das Licht möglichst weit minimiert. Bei diesen Aufsätzen handelte es sich um Kappen aus festem Stoff, welche auf die Scheinwerfer aufgezogen werden konnten. Innen waren sie meist mit schwarzem Leder beschichtet, was das Licht zusätzlich dämmte. Doch im Krieg bemerkte man schnell, dass diese Schlitzaufsätze zuviel Licht durchscheinen ließen. Das Resultat waren unnötige Verluste an Kraftfahrzeugen und Menschenleben, welche durch feindliche Artillerie oder auch durch Flugzeuge nachts entdeckt und ausgeschaltet wurden.

Der Notek-Scheinwerfer
Der Notek-Scheinwerfer
Das Abstands-Rücklicht
Das Abstands-Rücklicht

Um diesem unannehmbaren Zustand entgegenzuwirken, forschte die Versuchsabteilung für Heeresmotorisierung an einer möglichen Lösung.
Hierbei arbeitete die Versuchsabteilung eng mit der Nova-Technik GmbH zusammen. Das Resultat war das sogenannte "Kfz.-Nachtmarschgerät", besser bekannt als der NOTEK Tarnscheinwerfer. Eingeführt wurde es etwa Ende 1939.
Viele nennen es zwar "Notek Tarnscheinwerfer", doch der Tarnscheinwerfer war tatsächlich nur ein Teil des gesamten Kraftfahrzeug-Nachtmarschgeräts.

Das Kraftfahrzeug Nachtmarschgerät bestand aus drei grundlegenden Komponenten:

  1. Tarnscheinwerfer
  2. Abstands-Rücklicht
  3. Stufenschalter

Es ermöglichte erstmals eine möglichst große Sicherheit gegen Flieger- und Erdbeobachterssicht. Das Abstandsrücklicht hatte zusätzlich den Zweck, dem nachfolgenden Fahrer den Abstand anzuzeigen. Ein weiterer sehr wichtiger Aspekt ist natürlich auch, dass durch den Einsatz des Nachtmarschgeräts die Marschgeschwindigkeit deutlich erhöht werden konnte. Denn vor Einsatz des NOTEK Nachtmarschgeräts wurde das Licht in Gefahrensituationen komplett abgeblendet. Das wirkte sich natürlich auf die Marschgeschwindigkeit aus.

Wie genau funktionierte dieses berühmte Scheinwerfersystem?
Tatsächlich ist das Thema Beleuchtung an militärischen Kraftfahrzeugen eine kleine Wissenschaft für sich und die Erprobung war keinesfalls so simpel, wie es uns heute vielleicht erscheint. Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen! Das NOTEK-System hat sich über die gesamten Kriegsjahre bewährt und wurde auch nach dem Krieg von vielen Nationen in abgewandelter Form genutzt.

 

Erläuterung aller Komponenten des Kfz.-Nachtmarschgeräts

Der Tarnscheinwerfer

Notek Tarnscheinwerfer

Wie bereits erläutert wurde, gliedert sich das Kraftfahrzeug-Nachtmarschgerät in drei grundlegende Komponenten: Tarnscheinwerfer, Abstands-Rücklich und Stufenschalter.

Der Tarnscheinwerfer wurde vorne, in der Regel links aus Sicht des Fahrers, am Fahrzeug installiert und konnte die Fahrbahn 30 - 40 Meter weit ausleuchten. An Breite wurden ca. 25 Meter erreicht, was absolut ausreichend war um auch Kurven oder seitliche Hindernisse früh genug zu erkennen. Auf die gleichmäßige Beleuchtung wurde hierbei ein besonderer Wert gelegt. Ungleichmäßige Beleuchtung ist nicht nur für den Fahrer anstrengender, sondern ungleiches Licht lässt sich tatsächlich wesentlich besser erkennen!

Aufbau Notek Scheinwerfer
Aufbau des Notek-Scheinwerfers

Das wichtigste an dem Notek-Tarnscheinwerfer war jedoch, dass er nach oben keinerlei Licht abgab. Das machte die Kraftfahrzeuge für Flugzeuge, welche in über 500 Metern Höhe flogen und für feindliche Beobachter aus der gleichen Entfernung nahezu unsichtbar. Durch den Stufenschalter konnte der Tarnscheinwerfer auf Helligkeitsstufe 1 (über 500 Meter), Helligkeitsstufe 2 (über 800 Meter) und auf Helligkeitsstufe 3 (über 1500 Meter) eingestellt werden.

Wenngleich die Aufteilung des Stufenschalters auf Helligkeitsstufen ausgerichtet war, so kann von "Helligkeit" nicht wirklich die Rede sein. Wurden die Fahrer geblendet oder hatten sie kurze Zeit zuvor eine hellere Lichtquelle vor Augen (z.B. im Funkraum des Kfz.), so benötigten ihre Augen ca. 2 - 3 Minuten, bis sie sich wieder an die Lichtwerte des Tarnscheinwerfers gewöhnt hatten. Das Licht des Tarnscheinwerfers verlief sauber, so dass trotzdem ein möglichst optimales Lichtergebnis für die Fahrer geschaffen wurde.

 

Das Abstands-Rücklicht

Notek AbstandsRücklicht

Das Abstands-Rücklicht hatte gleich mehrere Funktionen, denn abgesehen von der reinen Tarnfunktion diente es als Abstandssicherung und konnte gleichzeitig wahlweise das Nummernschild beleuchtet oder eben unbeleuchtet lassen.
Tagsüber diente es als normales Rücklicht. Sofern gebremst wurde schien das Rücklicht gelb auf. Auch das rote Schlusslicht ist geblieben wie bei jedem anderen Fahrzeug. Jedoch verfügte das Notek-Rücklicht über eine Klappe, welche wahlweise nach oben geklappt sein konnte (Tagfahrt ohne Tarnwirkung) oder nach unten (Nachtfahrt mit Tarnwirkung). Die Tarnwirkung wurde übrigens korrekt "Verdunkellung" genannt.

Sollte das Kraftfahrzeug also abgedunkelt werden, musste die senkrechte Klappe des Rücklichtes nach unten geklappt werden (Schluss- und Bremslicht abgedunkelt) und das Fenster für die Kennzeichenbeleuchtung zugeschoben werden. Aber im Namen des Rücklichtes ist noch ein weiteres Wort enthalten: "Abstand"

Abstands-Rücklicht Modi

Beim Kolonnenmarsch in der Nacht musste der Fahrer unbedingt den möglichst korrekten Abstand zum vorfahrenden Kraftfahrzeug einhalten. Hierzu verfügte das Abstands-Rücklicht über vier nebeneinander liegende quadratische Leuchtpunkte. Die beiden äußeren Leuchtpunkte waren etwas größer als die beiden inneren Leuchtpunkte.
Die äußeren Leuchtpunkte waren 2cm breit und die inneren Leuchtpunkte nur 1,8cm. Alle vier Leuchtpunkte waren mit 3cm exakt gleichhoch. Die beiden inneren Leuchtpunkte standen in einem Abstand von 3,8cm zueinander, wogegen der innere und der äußere Lichtpunkt nur 1,6cm voneinander entfernt waren. Und genau hier liegt der Grund, weshalb das Abstands-Rücklicht auch zu Recht diesen Namen trägt!

Fahr- und Bremslicht des Abstand-Rücklichts
Fahr- und Bremslicht des Abstand-Rücklichts

Das menschliche Auge erkennt mehrere getrennte Leuchtpunkte erst wirklich als getrennte Leuchtpunkte, wenn es nah genug dran ist. Bis das menschliche Auge die Punkte getrennt wahrnimmt, sieht der Mensch die Lichtpunkte als zusammengehörigen Lichtstreifen. Das Abstands-Rücklicht ist genau auf diesen Effekt ausgerichtet.
Der rückwärtige Fahrer sieht bei einem Abstand von 35 - 300 Meter nur ein großes rotes Leuchtfeld. Hierdurch wusste er, dass der Abstand zu groß war. Nach 300 Metern ist das Rücklicht übrigens nicht mehr erkennbar!
Befand sich der Fahrer in einem Abstand von 25 - 35 Metern, so sah er zwei Leuchtfelder. Diese beiden Leuchtfelder markierten den idealen Kolonnenabstand!
Wenn der Fahrer zu dicht aufgefahren war, sah er die ganzen vier Leuchtfelder (25 - 0 Meter Abstand) und war zu nah!
Was aber, wenn mal gebremst werden musste? Auch das konnte der Fahrer erkennen, denn in der Tarnklappe ist ein kleines Loch, welches ganz schwach einen gelben Punkt des Bremslichtes erkennen ließ!

Öffnung für das Nummernschild
Öffnung für das Nummernschild

 

Der Stufenschalter

Notek Stufenschalter

Der Stufenschalter verfügte insgesamt über fünf Stufen, welche folgend aufgelistet werden:

  • Stellung O: Tarnscheinwerfer und Abstands-Rücklicht ausgeschaltet.
  • Stellung H: Tarnscheinwerfer aus, nur das Abstands-Rücklicht ist eingeschaltet. Diese Stufe wurde gewählt, wenn der Feind gute Einsicht auf den Marschweg hatte. Eine Erkennung war so nur bis zu einem Abstand von 300 Metern möglich. Für Flugzeuge blieb jegliches Licht verborgen.
  • Stellung V1: Tarnscheinwerfer geringste Leuchtstärke, das Abstands-Rücklicht ist eingeschaltet. Sofern die Nacht wirklich komplett dunkel und das Fahrzeug in Feindesnähe war, musste grundsätzlich diese Stufe gewählt werden. Eine Feindsicht (Boden und Luft) war nur bis zu einem Abstand von 500 Metern möglich. Diese Stufe musste grundsätzlich gewählt werden, wenn die Fahrzeuge in Stellung oder in Bereitstellung fuhren.
  • Stellung V2: Tarnscheinwerfer mittelhell, Abstands-Rücklicht eingeschaltet. Typische Verwendung fand diese Stufe beim Anmarsch an die Front oder in die Bereitstellungsräume. Sobald Frontnähe erreicht wurde, war Stellung V1 vorgeschrieben. Erd- und Luftbeobachtung waren nur bis auf 800 Meter möglich.
  • Stellung V3: Tarnscheinwerfer hell, Abstands-Rücklicht eingeschaltet. Verwendung fand diese Stufe bei Fahrten auf öffentlichen Straßen, bei gleichzeitig unwahrscheinlicher Feindeinsicht. Die Luft- und Erdbeobachtung war ab einer Entfernung von 1500 Metern unmöglich.

Tatsächlich konnten Führerfahrzeuge, also die Fahrzeuge an der Spitze der Kolonne, zur Orientierung die nächsthöhere Helligkeitsstufe als die Folgefahrzeuge wählen sofern keine Erdbeobachterssicht zu erwarten war. Auch das ist wieder recht interessant, denn ein einzelner heller Lichtfleck auf einer Straße konnte nicht aus der Luft erkannt werden. Das menschliche Auge lässt sich hier leicht täuschen. Auf absolut unebenem Boden wiederum konnte auch das Führerfahrzeug keine andere Stufe als die Folgefahrzeuge wählen. Hier wäre es wieder sichtbar.

Frühes Kraftfahrzeug ohne Notek-Tarnscheinwerfer
Frühes Kraftfahrzeug. Zur Tarnung wurden Schlitzüberzüge genutzt. Der Notek-Tarnscheinwerfer war noch nicht verbaut.

 

Hatte das Kraftfahrzeug-Nachtmarschgerät denn nur Vorteile?

Nicht ganz! Die Verdunklung funktionierte extrem gut, aber es gibt einige physikalische Gesetze, denen sich nicht einmal der Notek-Tarnscheinwerfer erheben kann. Da der Scheinwerfer am Fahrzeug festgestellt war und weil es solche Technik damals schlichtweg nicht gab, konnte er natürlich keine Steigungen oder Hügel ausgleichen. Fuhr das Fahrzeug also eine Anhöhe hinauf und befand sich auf der Kuppe, war das Licht mindestens für Erdbeobachter für Sekunden deutlich sichbar, da der Tarnscheinwerfer natürlich in einem recht ungünstigen Winkel lag und das Licht waagrecht aus dem Kegel austreten konnte. Zur Vermeidung dieses Umstandes wurden die Fahrer jedoch geschult das Scheinwerfersystem kurz vor Befahren einer Kuppe auszustellen. Ein möglichst gutes Studium des Weges auf Kartenmaterial war daher in der Tat nicht ohne Sinn.
Ein weiterer, jedoch durchaus zu verschmerzender Nachteil war, dass der Tarnscheinwerfer die Breite des Fahrzeugs nicht erkennen ließ. daher wurden die seitlichen Positionslampen häufig manuell abgetarnt, sofern eine solche Erkennung wirklich notwendig war. Notek fügte hierzu jedem Set des Kraftfahrzeug-Nachtmarschgeräts mehrere Mattzelluloidscheiben hinzu, welche in die vorhandenen Tarnschlitzkappen eingenäht wurden. Das Ziel war, auch hier eine Sichtbarkeit über 500 Metern zu unterbinden.

Detailaufnahme der Tarnung

 

Einbau und Inbetriebnahme

Damit das Nachtmarschgerät seine Funktion auch wirklich vollständig erfüllen konnte, war ein korrekter Einbau von größter Wichtigkeit!
Der Tarnscheinwerfer wurde ab Werk mit einem Standfuß mit integriertem Schwingungsdämpfer ausgeliefert. Je nach Fahrzeug musste jedoch auch zusätzlich noch ein Befestigungswinkel oder eine speziell angefertigte Halterung montiert werden.
Der Tarnscheinwerfer musste nun (je nach Fahrzeugtyp) mit oder ohne den Befestigungswinkel an der linken Seite des Fahrzeugs montiert werden. Der Standfuß hatte übrigens gleichzeitig noch die Funktion der integrierten Stromzufuhr.
Die Anbauhöhe musste zwischen 0,8 und 1,2 Metern (gemessen von der Lichtaustrittsöffnung) betragen. Der Standfuß basierte auf einer Kugelplatte, wodurch die Neigung des Scheinwerfers entsprechend geändert werden konnte. Fixiert wurde der Scheinwerfer dann durch einen Schnellverschluss oder sofern der Scheinwerfer fest verbaut bleiben sollte, mit einer Schraube. Wenn der Tarnscheinwerfer nicht fest verbaut werden sollte (z.B. zur Materialschonung), musste er nach dem Einsatz abgenommen und in einer angefertigten Segeltuchtasche verstaut werden. Viele Sammler wundern sich, weshalb der Schnellverschluss nicht immer dabei ist, sondern eine normale handelsübliche Schraube. Dies liegt lediglich an dem genannten Fakt und es kann davon ausgegangen werden, dass die Tarnscheinwerfer recht häufig statisch montiert waren.
Selbstverständlich musste der Notek-Tarnscheinwerfer möglichst weit vorne montiert werden und er durfte kein Fahrzeugareal anstrahlen. Eingestellt wurde der Tarnscheinwerfer dann bei Dunkelheit auf möglichst ebener Fahrbahn. Hierzu gab es von Notek einige Schritte, welche zu beachten waren:

  1. Kraftfahrzeug voll besetzten und belasten.
  2. Große Sechskantmutter des Tarnscheinwerferfußes lockern und von Hand leicht anziehen.
  3. Entfernung der oberen Kante der Lichtaustrittsöffnung des Tarnscheinwerfers vom Erdboden aus messen (Anbauhöhe).
  4. Abschreiten bzw. Ausmessen einer Entfernung von 10m vom Tarnscheinwerfer aus gerechnet.
  5. Den Tarnscheinwerfer in dem Kugelgelenk verschwenken, bis die deutlich erkennbare odere Hell-Dunkelgrenze des Lichtkegels etwas 12cm unter die bei 3. festgestellte Höhe fällt.
  6. Anziehen der großen Sechskantmutter mittels Schlüssel.

Anbau Kraftfahrzeug-Nachtmarschgerät

Anbau Kraftfahrzeug-Nachtmarschgerät

Anbau Kraftfahrzeug-Nachtmarschgerät

Notek wies in den Einbauanleitungen darauf hin, dass nur spezielle Lampen geeignet waren. In den Anleitungen werden hierzu die normale Biluxlampe 35 Watt oder Einfaden-Klarglaslampen 35 Watt aufgelistet. Als Grund hierfür nannte Notek die unbedingt benötigte, korrekte Lage des Lampen-Glühfadens.

Was die Elektronik angeht, so ist anzumerken, dass die innerhalb der Wehrmacht eingesetzten Kraftfahrzeuge natürlich nicht alle die identische Betriebsspannung besaßen. Das Kraftfahrzeug-Nachtmarschgerät war für Kraftfahrzeuge mit 6, 12 und 24 Volt Betriebsspannung ausgelegt. Aus diesem Grund wurde der Stufenschalter für unterschiedliche Betriebsspannungen ausgegeben. Die entsprechend passende Betriebsspannung stand auf der Außenseite des Stufenschalters. Innerhalb des Stufenschalters befand sich ein entsprechender Widerstand und logischerweise wurde die Stufenwirkung durch entsprechende Zusatzwiderstände im Stufenschalter ermöglicht.

 

Hier gibt es eine Ansicht aller Ersatzteile:

Ersatzteilliste Notek Kraftfahrzeug-Nachtmarschgerät

 

Einbauanweisung

Notek Einbauanweisungen

Nicht alle Fahrzeuge der Wehrmacht wurden direkt mit dem Kraftfahrzeug-Nachtmarschgerät ausgestattet. Für die Hersteller und auch die Kfz-Abteilungen der Truppe wurde daher in jedem Set auch die Einbauanweisung mitgegeben, welche in der Betriebs- und Einbauvorschrift stand.
Zum Einbau mussten mehrere Leitungen zusätzlich im Kraftfahrzeug verbaut werden. In der Einbauvorschrift heißt es hierzu:

"Neu zu legen sind demnach folgende Leitungen:
a) Zwischen der Klemme Nr. 54 oder 30 des Haupt-Lichtschalters und dem Anschluß "+B" des Stufenschalters;
b) Zwischen dem Anschluß "V" des Stufenschalters und der Anschlußklemme des Tarnscheinwerfers übereine Sicherung von 15 Amp.;
c) Zwischen dem Anschluß "H" des Stufenschalters und der mittleren Klemme des Abstands-Rücklichtes über eine Sicherung von 15 Amp.."

Das genaue Schaltschema geht aus folgenden Bildern hervor:

Notek_Schaltaufbau

Schaltschema Notek Kfz Nachtmarschgerät


Das Abstands-Rücklicht ersetzte stets das bisherige Rücklicht. Für das Schluss- und Bremslicht wurden entsprechend die vorhandenen Leitungen verwendet und für das nun zusätzliche Abstandslicht musste die neue Leitung verwendet werden (Leitung c).

Die Betriebs- und Einbauvorschrift, welche ab 1941 ausgegeben wurde, beschreibt den Einbau und die Schaltung noch einmal detaillierter und trennt die Schaltungserläuterung in folgende Punkte:
a) Lastkraftwagen und Personenkraftwagen:
Hier wird noch zusätzlich zum Stufenschalter die fünfpolige Steckdose genannt, welche jedoch nur beachtet werden musste, sofern eine Anhängerkupplung vorgesehen war. Zu Punkt a) heißt es weiter:

"Die Stomzuführung erfolgt von Klemme 54 des Schaltkastens (bei älterer Bauart: von Klemme 15/54) zur Plusklemme des Stufenschalters. Das Kabel von Klemme V des Stufenschalters zum Tarnscheinwerfer ist einzeln abgesichert zu verlegen. Das Kabel von Klemme H des Stufenschalters ist einzeln abgesichert über Klemme 53 der fünfpoligen Steckdose zum Abstandsrücklicht zu führen. [...] Schluß- und Bremsleuchten sämtlicher Kraftfahrzeuge erhalten wie bisher die Stromzuführung über den Schaltkasten. Bei Personenkraftwagen, die ohne Anhänger-Kupplung zur Ablieferung gelangen, oder bei denen eine Vorrichtung zum späteren Einbau einer Anhänger-Kupplung nicht vorgesehen ist, entfällt die fünfpolige Steckdose. Das abgesicherte Kabel ist dann direkt an die Abstandsrückleuchte zu legen."

b) Schlepper:
Sie wurden mit dem Tarnscheinwerfer, dem Stufenschalter und der fünfpoligen Steckdose ausgestattet. Hier heißt es:

"Die Stromzuführung und die Schaltung des Tarnscheinwerfers erfolgt wie unter a). Klemme H des Stufenschalters ist mit Klemme 53 der Fünfpoligen Steckdose abgesichert zu verbinden (Anhängerbetrieb)-. Das Abstands-Rücklich entfällt. Statt dessen verbleiben die üblichen Schluß- und Bremsleuchten."

c) Anhänger
"Anhänger sind mit dem Abstands-Rücklich auszurüsten. Das Kabel des Abstands-Rücklichtes ist entsprechend dem Anschluß der fünfpoligen Steckdose (Klemme 53) an den fünfpoligen Stecker zu legen. (Schluß- und Bremsleuchten erhalten den Strom über die fünfpolige Steckdose.)"

d) Schaltung der fünfpoligen Steckdose:
1. Klemme 31 - Massekabel
2. Klemme 52 - Reifenwächter
3. Klemme 53 - Abstands-Rücklicht
4. Klemme 54 - Bremslicht
5. Klemme 58 - Schlusslicht

Die Betriebs- und Einbauvorschrift wurde in unterschiedlichen Ausführungen ausgegeben. Zum Einen handelt es sich um Ergänzungen, welche im Laufe des Krieges hinzugefügt wurden und zum anderen gibt es Unterschiede bei den Werksausführungen.
Daher sollte man sich nicht wundern, wenn recht viele Variationen dieser Vorschrift existieren. Einige Vorschrifen waren als reine Informationshefte ausgelegt und andere wiederrum wurden mit den Tarnscheinwerfersets ausgegeben. Beides kann man im folgenden Bild sehen:

 

Abstands-Rücklicht an LKW
Abstands-Rücklicht an einem Fernmeldeanhänger

Kraftfahrzeug-Nachtmarschgerät im Detail

Nun schauen wir uns noch einmal das Notek-Set an, welches bereits auf einigen vorangegangenen Bildern in diesem Beitrag zu sehen war.
Der Tarnscheinwerfer und das Abstands-Rücklicht stammen beide von einem leichten Funkwagen und wurden im März 1945 zwischen Koblenz und Limburg an der Lahn von einem Bauern abmontiert. Der Funkwagen wurde im Zuge des eiligen Rückzugs zurückgelassen.

Innenseite des Tarnscheinwerfers
Beide Exponate sind zusätzlich abgetarnt. Die Grundfarbe des Notek-Scheinwerfers war in relativ frühem Feldgrau gehalten. Danach wurde er mit Einheitsfarbe besprüht. Der Notek-Scheinwerfer wurde zusätzlich mit einem Grün-Braunton versehen. Besonders gut kann man das am Standfuß erkennen.

Standfuß des Notek-Scheinwerfers
Bei dem Abstands-Rücklicht sieht es ganz ähnlich aus. Die Grundfarbe war hier ebenfalls ein Feldgrau, welches jedoch mehr eine Blaugrau-Variation ist. Das Abstands-Rücklicht wurde ebenfalls zuerst mit einer Lackierung in Einheitsfarbe lackiert und dann jedoch irgendwann mit einer noch dickeren Tarnlackierung mit untermischtem Sand lackiert. Hinzu kam ebenfalls der identische Grün-Braunton wie bei dem Notek-Tarnscheinwerfer. Das Rücklicht wurde in jedem Fall sehr hastig abgetarnt! An den Abstandsleuchten wurde die Tarnung schnell weggekratzt, nachdem diese einfach mit überlackiert wurden. Die Tarnklappe war zum Zeitpunkt der Übertarnung bereits heruntergeklappt. Das kleine Bremslicht konnte nicht mehr aufleuchten, da die Tarnung hier einen Fleck innerhalb des Bremsleuchtenlochs hinterlassen hat. 1944 und 1945 war die Übermacht so groß, dass häufig nicht viel Zeit blieb um sich möglichst gut zu verstecken. Da wurde genutzt, was da war und die Tarnung wurde eben hastig und schnell aufgebracht. Praktische und effektive Maßnahmen waren gefragt. Für Ordnungssinn blieb keine Zeit mehr. Gerade das Abstands-Rücklicht zeigt dies sehr gut.

Weitere Detailbilder finden sie ganz unten in diesem Beitrag!

Rücklicht abgetarnt

Rückseite Rücklicht

 

Fazit

Das Kraftfahrzeug-Nachtmarschgerät und vor allem der Notek-Scheinwerfer sind nicht grundlos so bekannt. Sie wurden an fast jedem Fahrzeug und Panzerkraftwagen der Wehrmacht verbaut und waren äußerst effektiv! Vom Notek-Scheinwerfer existieren noch weitere Ausführungen, wie z.B. für den Luftschutz. Auch nach dem Krieg bedienten sich viele Hersteller des Notek-Systems, woraus einige Abarten des Scheinwerfers entstanden sind.
Das Kraftfahrzeug-Nachtmarschgerät leistete gute Dienste in der Wehrmacht. Es war sehr stabil, einfach einzubauen und einfach zu verwenden. Tarnung hat einen extrem hohen Stellenwert im militärischen Bereich und die Tarnung bei Nacht musste gekonnt und erprobt sein. Kolonnenmärsche bei Nacht waren unabdingbar. Das Notek-System ermöglichte diese Nachtmärsche erstmals durchden effektiven Einsatz des Lichtes bei gleichzeitig sehr guter Tarneigenschaft.
Ein solches Lichtsystem war und ist eine kleine Wissenschaft für sich. Weshalb sich viele auch heute noch für Notek-Scheinwerfer begeistern, ist daher "sonnenklar".

 

Genaue Detailbilder des Kfz.-Nachtmarschgeräts: