Es ist unglaublich, wie häufig die Frage aufkommt, was überhaupt die Luftnachrichtentruppe war. Sehr oft scheint man diese Truppengattung in neuzeitlichen Berichten sogar übergehen zu wollen.

Die Luftnachrichtentruppe - Freiwillige vor!
Rekrutierungsheft der Luftwaffe aus dem Jahr 1942

Die Luftnachrichtentruppe bildete jedoch einen der wichtigsten Teile der Luftstreitkräfte. Mehr noch: Ohne diese Truppengattung wäre die Luftwaffe im zweiten Weltkrieg bei weitem ineffektiver und sogar bereits bei Beginn des Weltkrieges weit unterlegen gewesen.

Was macht diese Truppengattung so besonders, warum wurde sie aufgestellt und was waren ihre Aufgaben?

 

 

Aufstellung

Die Luftnachrichtentruppe wurde offiziell am 01.03.1935 aufgestellt. Als ihr Urvater gilt der spätere General der Luftnachrichtentruppe Wolfgang Martini. Ihr Wurzeln reichen jedoch noch viel weiter zurück!

Der direkte Vorgänger der Luftnachrichtentruppe war die sogenannte Fliegerfunktruppe. Aber man muss um korrekt zu bleiben noch weiter in der Geschichte zurück gehen.

Alles begann Mitte des 19. Jahrhunderts mit der Verbreitung der Telegrafie. Die Telegrafie war den Militärs zu beginn Suspekt und ihr Sinn erschloss sich zu dieser Zeit nicht direkt. Später aber erkannte man den klaren Vorteil der Telegrafie auf dem Schlachtfeld: Durch die schnelle Übertragung von Nachrichten konnte eine Armee wesentlich koordinierter und dynamischer am Kampfgeschehen teilnehmen. Lücken konnten schneller geschlossen werden und Angriffe konnten problemloser koordiniert werden.

Aus diesem Grunde wurden 1899 die ersten drei Telegrafenkompanien aufgestellt.

Bereits zu Beginn des ersten Weltkrieges , am 12. August 1914 wurde ein Funkhorchdienst aufgestellt um feindliche Nachrichten, welche über den Äther geschickt wurden aufzufangen und so einen militärischen Vorteil durch Kenntnis strategischer Züge zu erlangen und den gegnerischen Funkverkehr zu stören.

Im November 1916 wurde hieraus die Fliegerfunktruppe gebildet, welche gegen Ende des ersten Weltkrieges jedoch wieder der Nachrichtentruppe des Heeres untergliedert wurde.

Ab 1933 gab es dann Geheimpläne zur Aufstellung der Luftwaffe, in deren Affekt auch die Aufstellung der neu benannten Luftnachrichtentruppe als damals dritte Waffengattung (neben Fliegertruppe und Flak) bestimmt wurde.

Am 01.03.1935 erfolge dann die offizielle Aufstellung der Luftnachrichtentruppe. Die bereits ausgebildeten Truppen wurden zuvor an der Heeresartillerieschule in Jüterborg ausgebildet.

 

Gliederung

Die Luftnachrichtentruppe gliederte sich in Luftnachrichtenregimenter und Luftnachrichtenabteilungen.

Außerdem gehörten zur Luftnachrichtentruppe die Luftnachrichtenschulen, die Nachrichtenkompanien der Fliegerhorste, das Nachrichtenpersonal der höheren Stäbe sowie verschiedene andere Nachrichteneinheiten der Luftnachrichtentruppe und der Fliegertruppe.

 

Funker einer Luftnachrichteneinheit
Funker einer Luftnachrichteneinheit direkt hinter der Frontlinie bei der Koordination von Angriffsflügen

 

Luftnachrichtenschule Halle an der Saale

Neben der Aufstellung dieser Truppe muss noch die Gründung der Luftnachrichtenschule in Halle an der Saale erwähnt werden. Erbaut wurde sie zwischen 1934 und 1937 in der General Maerck Kaserne in Halle. Sie war ein grundlegendes Wissens- und Ausbildungsorgan der Luftnachrichtentruppe und blieb dies auch bis zum Ende des Krieges. Sämtliche Ausbildungsmaterialien der Luftnachrichtentruppe stammen aus dieser Schule.

 

Zusammensetzung

Die Luftnachrichtentruppe setzte sich bis zur Hälfte des Krieges fast ausschließlich aus Freiwilligen zusammen. Aufgrund der hohen technischen Erfordernisse wurden bevorzugt Angehörige aus den Berufsgruppen Funkwesen, Technik, Fernmeldewesen, Vulkanisierung, Feinmechanik und Uhrenherstellung, Kartographie und Vermessungstechnik, Mathematik, Elektronik, Motor- und Autobau, sowie Logistik eingestellt.

 

Aufgaben der Luftnachrichtentruppe

Die Luftnachrichtentruppe war von der Heeresnachrichtentruppe getrennt.

Ihre Aufgabe war es, den Betrieb des Nachrichtenverbindungswesens in der Luft und am Boden aufrecht zu erhalten. Dabei arbeitete die Luftnachrichtentruppe sehr eng mit den Truppenteilen der Fliegertruppe, der Flak und später auch der Fallschirmjägertuppe zusammen.

Ein Kerngebiet der Luftnachrichtentruppe war die Ausbildung sämtlichen Funkpersonals der Luftwaffe. Hierzu zählten auch das Flugzeugfunkpersonal wie Bordfunker und Navigatoren! 

Funk- LKWs der Luftnachrichtentruppe
Funkbetriebskraftwagen KFZ. 72 der Luftnachrichtentruppe (Nummernschild WL = Wehrmacht Luftwaffe)

 

Ausbildung

Zu Beginn der Laufbahn bei der Luftnachrichtentruppe musste jeder Soldat die militärische Grundausbildung absolvieren. 

Bereits gleichzeitig begann die technische Ausbildung als Funker oder Fernsprecher.

Jeder Funker wurde gleichsam grundlegend in den Bereichen Fernsprechen, Fernschreiben, Peilfunk, Horchfunk, Bordfunk sowie in dem Bereich Telegraphen- und Kabelbau ausgebildet. Gleichzeitig war auch eine Ausbildung als Kraftfahrer möglich. Die Soldaten erhielten nach der Grundlagenausbildung ihre spezifische Mannschaftsausbildung in den Fachbereichen.

Aus der Luftnachrichtentruppe gingen wie bereits erwähnt auch alle Funker des Flugnachrichtenpersonals, also sämtliches Flugzeugfunkpersonal, Bordfunker und auch Navigatoren hervor. Um diesen Werdegang einzuschlagen war jedoch nach der spezifischen Ausbildung eine nochmalige Untersuchung der Leistungsfähigkeit notwendig.

 

Fernsprechnetz

Die Luftnachrichtentruppe betrieb neben der Heeresnachrichtentruppen ebenfalls ein immens großes Netz aus Kabel- und Drahtleitungen.

Das Bauen von Draht- und Kabelleitungen musste für die Luftwaffe selbst unter extremster Witterung ausgeführt werden. Ein perfektes Beispiel für die Leistungsfähigkeit der Luftnachrichtentruppe in diesem bereich ist das Nachrichtennetz der Luftwaffe in Norwegen und Finnland. Trotz eisiger Kälte und widrigster Umstände wurde hier innerhalb weniger Wochen das größte Fernsprechnetz gebaut, dass diese Region je gesehen hat.

Die ständige Fernsprechverbindung war für die Luftwaffenführung entscheidend zur Erfüllung der schnellen Reaktionszeit auf feindliche Luftangriffe. 

Fernmelder der Luftnachrichtentruppe beim Leitungsbau
Fernmelder der Luftnachrichtentruppe beim Leitungsbau

 

Nachrichtenverbindungsdienst

Der Nachrichtenverbindungsdienst bestand aus mobilen und stationären Funkeinheiten, welche genau die gleiche Aufgabe hatten wie die Heeresnachrichtenabteilungen. Sie stellten die Schnittstellen zwischen einzelnen Truppenteilen oder höheren Stäben her und mussten diese aufrechterhalten. Die Wichtigkeit dieser Truppen ist ebenfalls nicht zu unterschätzen da es auch hier auf Schnelligkeit, Flexibilität und schnelles Reaktionsvermögen ankam.

 

Peilfunk

Ebenfalls eine Hauptaufgabe der Luftnachrichtentruppe war der Peilfunk. Die Funker hatten hier die Aufgabe ständige Verbindung mit den in ihrem Zuständigkeitsbereich befindlichen Flugzeugen zu halten. Sie übernahmen die Sicherung dieser Luftstreitkräfte. Den Peilfunker der Luftnachrichtentruppe würde man heute mit einer anderen Berufsbezeichnung versehen: Fluglotse!

Die schnelle und korrekte Bedienung der Peilgeräte, sowie eine ständig sehr hohe Aufmerksamkeit forderten die Peilfunker der Luftwaffe vor allem geistig! Von ihrer Arbeit hing das Überleben der Flugzeugbesatzungen ab!

Der Peilfunk im Luftnachrichtendienst ist gerade wegen der vielseitigen Ortungsmöglichkeiten und Radartechnik technisch hochinteressant. Wir werden hier noch gesondert Beiträge zur Radartechnik und auch zur Funkortung- und Navigation erstellen.

Sehen sie hierzu auch folgenden Artikel: Peilgeräte, Peilung und Funkpeilung

Peilfunkanlage der Luftwaffe
In einer mobilen Peilfunkanlage der Luftwaffe

 

Flugmeldedienst

Der Flugmeldedienst hatte in den Kriegsjahren, vor Allem in den letzten Kriegsjahren eine entscheidend wichtige Aufgabe: Die Funker dieser Abteilungen hatten die Aufgabe der ständigen Überwachung des Reichsgebietes, sowie der Positionsweitergabe von Feindmaschinen an die Peilfunkeinheiten.

Die Ermittlung feindlicher Flugzeuge stand hier im Vordergrund. Wurden feindliche Flugzeuge ausgemacht, wurde umgehend Meldung an die Abwehrkräfte gemacht. Zu den Abwehrkräften gehörten die Flak und die Jagdgeschwader, die den Luftabwehrkampf als schwierige Aufgabe hatten.

Radargeräte und Funkpeilung waren hier die vorgesetzten Initiativen.

 

Horchfunk

Die Horchfunker waren den ganzen Tag damit beauftragt feindliche Meldungen abzufangen und sie an die gehobeneren Stellen zur Bewertung abzugeben. Hier war Aufmerksamkeit um jeden Preis gefragt.

 

Bordfunk

Bordfunker waren nach ihrer Luftnachrichtenausbildung direkt der Fliegertruppe unterstellt. Sie hatten zur Aufgabe die Verbindung zwischen den einzelnen Maschinen und den Bodenstationen aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig waren sie aber auch Navigatoren und Bordschützen! Bei den Nachtlandeverfahren spielten sie eine wichtige Rolle, da die Landung auf Grundlage von Funkfeuer erfolgte. Näheres werden wir hier noch in Form von Fachartikeln erläutern.

Bordfunker als Bordschütze
Bordfunker als Bordschütze

 

Kraftfahrer

Auch die Kraftfahrer sollten nicht unerwähnt bleiben. Sie waren für mobile Funkstationen zuständig oder überbrachten Nachrichten. Zu ihrer Arbeit gehörte nicht nur der Fahrdienst, sondern in der Tat auch der komplette Fahrzeugwartungsdienst. Alle Kraftfahrer waren als Funker und Fernsprecher ausgebildet und mussten primär im Nachrichtenverbindungsdienst mitwirken.

 

Bilderalbum von nachrichtentruppe.de: "Die Luftnachrichtentruppe"

 

Quellen:

"LN - Die Geschichte der Luftnachrichtentruppe" von Karl Otto Hoffmann

"Freiwillige vor! Hinein in die Luftwaffe" - Rekrutierungsheft herausgegeben vom Oberkommando der Wehrmacht 1942