Bereits seit den frühen Tagen des ersten Weltkrieges gehörte die Gasmaske zur typischen Ausrüstung der Soldaten. Gasangriffe waren einfach und effektiv, in ihrer Grausamkeit jedoch damals nur schwer zu übertrumpfen.

Die Maskenbrille der Wehrmacht
Die typische Maskenbrille der Wehrmacht

Umso wichtiger war es für die Soldaten bei einem Gasalarm schnellstmöglich die Gasmaske aufzusetzen.

Die Regel besagte, dass jeder Soldat seine Maske aufsetzen und auf Dichtigkeit kontrollieren muss. Danach musste den Kameraden geholfen werden, welche die Gasmaske eventuell nicht schnell genug aufsetzen konnten.

Eine Gruppe Soldaten hatte dabei oftmals ein Problem: Die Brillenträger!

Jeder Brillenträger bekam eine sogenannte Dienstbrille, die einer "normalen" Brille (abgesehen von der Form der Glasfassungen) 1:1 gleicht. Das bedeutet, diese Brillen hatten auch Ohrbügel.

Wenn sich ein Soldat aber nun die Gasmaske über die Brille gezogen hatte, war diese häufig aufgrund der Aussparung der Bügel nicht luftdicht an der Haut anliegend.

Aus diesem Grunde wurde die sogenannte Maskenbrille eingeführt, welche es auch heute noch in veränderter Form bei der Bundeswehr gibt!

Bei der Maskenbrille wurden schlichtweg die Bügel weggelassen. Statt Brillenbügeln verfügte die Maskenbrille über Stoffschlaufen, welche einfach um die Ohrmuschel gezogen wurden. Die Maskenbrille konnte dann noch nach Belieben festgezogen werden, was ein Abrutschen der Brille mit aufgesetzter Gasmaske verhinderte.

Maskenbrille im Etui
Maskenbrille im Etui

Jede Maskenbrille wurde in einer Dose aufbewahrt. Diese Dosen waren bis 1934 OHNE Aufdruck und in der Regel in grüner Tarnfarbe lackiert! Erst ab 1934 wurden zur klaren Kennzeichnung Dosen ausgegeben, auf denen "Masken-Brille" aufgedruckt war. Auf der Dose der Dienstbrille war entsprechend "Dienst-Brille" aufgedruckt. Die Bundeswehr nutzt heute wieder Dosen in Feldgrün ohne Aufschrift.

Wichtig ist, dass der Aufdruck je nach Hersteller in Schreibstil oder Druckdicke variieren konnte.

 

Der Doseninhalt bestand natürlich aus der Maskenbrille, einem Dosenteiler aus bezogener Pappe und darunter eine Anleitung zum Schlaufen.

Außerdem enthielt jede Dose einen Beilagezettel, auf dem alle relevanten Daten des Soldaten eingetragen waren. Dieser Zettel diente zum natürlich der schnellen Sichtung von Sehwerten, aber der Hauptzweck war der Schutz vor einem Vertauschen der Brillen. Im Ernstfall konnte das verheerende Folgen haben.

Beilagezettel der Maskenbrille
Beilagezettel der Maskenbrille - Hier von einem Funker der 5. Kompanie Nachrichten Ersatz Abteilung 25 aus Karlsruhe, bzw. vorher Josefstadt

 

Typischerweise wurde die Maskenbrille inklusive zwei Ersatzschlaufen ausgegeben, welche sich auch unter dem Pappteiler befanden.

Es gab zwei Möglichkeiten das Band einzuschlaufen:

Schlaufanleitung der Maskenbrille #1
Schlaufanleitung der Maskenbrille #1
Schlaufanleitung der Maskenbrille #2
Schlaufanleitung der Maskenbrille #2

 

Ein geübter Soldat konnte die Maskenbrille in wenigen Sekunden aufziehen, indem die beiden Bänder je mit dem Zeigefinger und Daumen auseinander gehalten wurden und die Brille dann direkt über die Ohrmuscheln geschlauft wurde.

Bilder von Wehrmachtsoldaten, welche die Maskenbrille tragen sind sehr selten, da sie wahrscheinlich abgesehen von Übungszwecken nie effektiv zum Einsatz kam. Dagegen sind Fotografien von Dienstbrillen recht häufig zu finden.