Innerhalb der Luftwaffe gab es im zweiten Weltkrieg eine Waffengattung, welche aufgrund der zunehmenden Bombardierungen mehr und mehr an Bedeutung gewann und die sich auch im Einsatz an der Front bewähren musste: Die Flakartillerie.

Den anfliegenden Bomberpulks stellte sich eine große Masse an Luftwaffenverbänden entgegen. Trotzdem wurde es mehr und mehr zu einem aussichtslosen Kampf. Die Luftwaffe wurde von Tag zu Tag schwächer, die Soldaten immer mehr gefordert.

Bei den nächtlichen Angriffen spielten viele Truppenverbände zusammen um die feindlichen Verbände zu entdecken und zu orten. Hier wurden besondere Anforderungen an die Luftnachrichtentruppe gestellt. Sie war zur Fliegererkennung da und hatte die schwere Aufgabe Bomberpulks aufzuspüren, ihre Bewegungen zu verfolgen, die Nachrichtenverbindungen zu den Abwehreinheiten zu halten und die Gegenmaßnahmen zu koordinieren.

Im Krieg gab es noch nicht die Möglichkeiten, wie wir sie heute erkennen. Die Radartechnik, welche der Luftwaffe unterlag, war gerade im Aufbau, jedoch bereits sehr effektiv. Trotzdem war sie auch noch recht fehleranfällig. Die Nachtjäger waren zum Teil mit Funkmessgeräten, wie z.B. dem Lichtenstein-Gerät ausgestattet und zum Teil flogen sie auf Sicht.
Gerade zu Beginn des Krieges war die Nachtjagt stark auf den Sichtflug ausgerichtet. Was die Piloten hierfür benötigten, waren Lichtquellen, denn in dunkler Nacht war es extrem schwierig feindliche Flugzeuge auszumachen. Im Idealfall mussten gleichzeitig die eigenen Jäger vor den Bombern im Verborgenen bleiben.
Im Laufe des Krieges wurden Radar- und Funkmessanlagen daher mir Erfolg ständig weiter entwickelt. Aber eine Untergattung der Flakartillerie hatte von Anfang an den gleichen hohen Stellenwert im Flugerkennungsdienst: Die Flakscheinwerferabteilungen!

Dienstunterricht für die Flakartillerie - Ausgabe für den Flakscheinwerferkanonier
Das Luftwaffen-Lehrbuch "Der Dienstunterricht für die Flakartillerie - Ausgabe für den Flakscheinwerferkanonier"

Viele kennen heute noch das Bild aus Erzählungen oder Dokumentationen: Flakscheinwerfer scheinen in den Himmel, dröhnende Motorengeräusche der Bomber und Sirenen die aufheulen. Ein wahres Horrorszenario, welches sich damals real und beeindruckend am europäischen Himmel abspielte.
Der Bekämpfung dieser Bomberpulks wurde ein sehr hoher Stellenwert zugeschrieben. Jedoch fehlten in Deutschland mehr und mehr die Mittel für erfolgreiche Abfangaktionen. Die Flak bildete hier stets, zusammen mit den Nachtjägern den Kern der Abfangmöglichkeiten.
Sie musste sich jedoch nicht nur an der Heimatfront bewähren. Auch direkt hinter der Front und in den besetzten Gebieten wurde sie benötigt. Sehr viele Luftangriffe richteten sich vor allem auf militärische Ziele.

Die Flakscheinwerferbatterien hatten hierzu einen wichtigen Dienst am Nachthimmel. Sie mussten die feindlichen Flugzeuge erfassen und durch das sogenannte "Punktleuchten" Flugziele erfassen. Die Flak konnte dann vom Boden aus die Flugziele erkennen und bekämpfen. Gleichzeitig konnten die Piloten in den Jagdmaschinen die Flugziele erfassen und aus der Luft bekämpfen. Hierbei durften sich Flak und Jagdmaschinen nicht in die Quere kommen. Wie aber wurde das ermöglicht?
Durch Nachrichtenübermittlung! Schwierig wurde es erst, als das sogenannte "Wilde-Sau-Verfahren" eingesetzt wurde, welches in einem kommenden Artikel näher behandelt wird. Dieses Verfahren erwies sich in Tests über Berlin zuerst als recht erfolgreich, jedoch wurde die Koordination zwischen Flak und den plötzlich auftauchenden Tagjägern ungemein schwierig, was mit dazu beitrug, dass dieses Verfahren nur vereinzelt angewendet wurde.

Aber Nachrichtenübermittlung war noch auf kleinerer Ebene wichtig:
Jede Flakscheinwerferbatterie bestand aus 3 Zügen, dem Batterietrupp, einem Gefechtstroß und aus einer Nachrichtenstaffel!
Die Kommunikation zwischen den Zügen und den Befehlsstellen war ungemein wichtig um koordiniert in das Kampfgeschehen einreifen zu können. Die Flakscheinwerferbatterie musste intern und natürlich auch extern mit anderen Batterien koordiniert werden. Eine unmögliche Aufgabe ohne moderne Nachrichtenmittel und den Einsatz von Nachrichtensoldaten!

Schrägaufnahme von einem Modell einer Flakscheinwerferbatterie
Schrägaufnahme von einem Modell einer Flakscheinwerferbatterie

 

Aufbau

Der Aufbau der Nachrichtenstaffel in einer Flakscheinwerferbatterie wird ausführlich im Lehrbuch "Der Dienstunterricht in der Flakartillerie - Ausgabe für den Flakscheinwerferkanonier" beschrieben:

  • Staffelführer mit Nachrichtenkraftwagen (Kfz.2)
  • 3 leichte Fernsprechtrupps (mot.) mit je einem Truppführer und 8 Mann
    • 1 Nachrichtenkraftwafen (Kfz.2)
    • 1 Fernsprechkraftwagen (Kfz.77)
    •  Gerät:
      • 1 Amtsanschließer
      • 1 Amtszusatz zum kleinen Klappenschrank
      • 6 Feldfernsprecher 33
      • 1 kleiner Klappenschrank
      • 1 Brustfernsprecher
      • 1 Feldmesskästchen
      • 6 Kopffernhöhrer
      • 2 schnurlose Überträger
      • 14km schweres Feldkabel
      • 4km leichtes Feldkabel
      • Baugerät
  • 1 Fernsprechanschlusstrupp (mot.) mit Nachrichtenkraftwagen (Kfz.15) und 2 Mann
  • Gerät:
    • 1 Amtsanschließer
    • 4 Feldfernsprecher 33
    • 1 Feldhandapparat
    • 1 Elementprüfer
    • 1 Feldmesskästchen
    • 2 Vermittlungskästchen
    • 4 Kopffernhöhrer
    • 3 schnurlose Überträger
    • 4km schweres Feldkabel
    • Baugerät
  • 1 Kleinfunktrupp (mot.) mit Funkkraftwagen (Kfz.17), 1 Führer und 3 Mann
  • Gerät:
    • 1 Tornisterempfänger
    • 15 Watt-Sender
    • 1 Tretsatz T5
    • 1 Umformersatz U5a
    • Antennengerät
    • Leitungsmaterial
    • Werkzeug
  • 2 Tornisterfunktruppsmit je 2 Mann
  • Gerät:
    • 1 Tornisterfunkgerät mit Empfänger und Sender
    • 4 Anodenbatterien
    • 3 Edisonsammler
    • Antennengerät
    • Leitungsmaterial
    • Werkzeug
    • Kraftradfahrer

Anhand dieser Aufstellung kann man leicht erkennen, dass sogar eine auf den ersten Blick kleine und einfach gehaltene Einheit ein enormes Aufkommen an benötigten Nachrichtenmitteln erforderte.

Struktur einer Flakscheinwerferabteilung
Struktur einer Flakscheinwerferabteilung

 

Aufgabe und Wirkungsweise

Um zu verstehen, wie die Nachrichtentrupps zusammen wirkten, muss man sich zunächst mit der Organisationsstruktur einer Flakscheinwerferbatterie beschäftigen.
An der Spitze der Flakscheinwerferbatterie stand die Flakscheinwerferabteilung. Die Batterie empfing also die Befehle von der Abteilung.
An der Spitze der Flakscheinwerferbatterie stand der Batterieführer. Die Befehle von der Batterieführung gingen an die 3 Flakscheinwerferzüge. Innerhalb der Flakscheinwerferzüge gab es je eine Zugbefehlsstelle, welche die Befehle an die einzelnen Horchgeräte und Flakscheinwerfer übergaben.
Die Befehls- und Informationskette musste unbedingt eingehalten werden. Zuständig hierfür: Die Nachrichtenstaffel.

Der Staffelführer schlug dem Batterieführer den geplanten Einsatz der Nachrichtenmittel vor. Dieser Einsatzplan wurde dann, sofern bewilligt, durch den Batteriebefehl herausgegeben und entsprechend umgesetzt.
Im Lehrbuch "Der Dienstunterricht in der Flakartillerie - Ausgabe für den Flakscheinwerferkanonier" wird dann als Beispiel folgende Verwendung vorgeschlagen:

  • Je 1 leichter Fernsprechbautrupp (mot.) zur Verbindung der Flakscheinwerferstellungen mit der Zugbefehlsstelle
  • Der Fernsprechanschlusstrupp (mot.) zur Verbindung der Batteriebefehlsstelle mit 2 Zugbefehlsstellen
  • Die 2 Tornisterfunktrupps zur Verbindung der Batteriebetriebsstelle mit der 3. Zugbefehlsstelle
  • Der Kleinfunktrupp (mot.) entweder zur Verbindung mit dem Abteilungsgefechtsstand oder als vorgeschobener Flugmeldeposten. Auf dem Marsch muss er bei größeren Rasten sofort die Verbindung mit der Abteilung aufnehmen. Der Kleinfunktrupp hatte also noch einmal eine wichtige Schlüsselposition zur Befehlsverarbeitung und Koordination.
Die Nachrichtenstaffel einer Flakscheinwerferabteilung
Die Nachrichtenstaffel einer Flakscheinwerferabteilung bei der Arbeit

 

Aus welchem Grund wurden die einzelnen Nachrichtenmittel so unterschiedlich eingesetzt?

Zum einen musste die Batterie natürlich möglichst flexibel in ihren Einsatzmöglichkeiten sein. Hinzu kommt die Mobilität einer solchen Einheit. Nicht alle Flakscheinwerferkompanien waren fix an einem Ort eingesetzt. Das gab es nur in direkter Stadt- oder Industrienähe.
Als Faktor kam also auch die Geländebeschaffenheit hinzu. Nicht jedes Gelände eignet sich z.B. für den Einsatz von Feldkabel. Je nach Gelände, Lage der Stellungen und zugeteilter Aufgabe konnte die Flakscheinwerferkompanie so entsprechend dynamisch im Einsatz der Nachrichtenmittel agieren.
Ein zusätzlicher Grund ist die Schaffung von Ausfallsicherheit! Die Ausfallsicherheit war immens wichtig. Eine Flakscheinwerferkompanie mit Problemen in der Kommunikation und damit in der Koordination war so gut wie unbrauchbar und fiel aus.

 

Einsatz der Nachrichtentrupps

Die Fernmeldetrupps

In der Regel wurden Einfachleitungen verlegt. Dies konnte mit leichtem aber auch mit schwerem Feldkabel geschehen. Natürlich hatten Einfachleitungen den Nachteil, dass die Rückleitung des Stromes am Boden anliegt. Daher bestand hierbei höchste Abhörgefahr. Die Nachrichtenmänner hatten daher die Aufgabe die Verbindungen zu überwachen.
In direkter Frontnähe oder bei sehr hoher Abhörgefahr wurden Doppelleitungen verlegt und auch der Hochbau von Leitungen musste beherrscht werden.
Sämtliche Leitungen wurden in der Regel vom Fahrzeug aus verlegt. Der Grund liegt in dem schnell benötigten Aufbau.
Die einzelnen Flakscheinwerferzüge konnten kilometerweit auseinander liegen!

Ein Fernmelder an seinem Kfz.2 beim Abrollen des Feldkabels
Ein Fernmelder an seinem Kfz.2 beim Abrollen des Feldkabels

 

Der Kleinfunktrupp

Der Kleinfunktrupp war eine 5 Watt-Funkstelle und diente in der Hauptsache zur Verbindung mit der Abteilung. Auch hier bestand natürlich höchste Abhörgefahr. Die Funker der Wehrmacht waren hierin jedoch bestens geschult und gaben nur wirklich nötige Funksprüche weiter.
In Funklehrbüchern heißt es: "Grundsatz ist, dass man möglichst wenig funkt, aber dauernd empfangsbereit ist."
Alle Truppenbezeichnungen, Personennamen und Geländebezeichnungen wurden daher verschlüsselt oder mit Decknamen versehen: "Fuchsbau ruft Dachsbau..."
"Vorzeitiges Funken macht den Gegner auf die Schutzobjekte Aufmerksam und ist unbedingt zu vermeiden."
Durch Abhören und Funkpeilung konnte der Gegner wichtige Informationen sammeln, sofern die Funker sich nicht an Ausbildungsgrundsätze hielten.

Der Kleinfunktrupp einer Flakscheinwerferabteilung
Der Kleinfunktrupp einer Flakscheinwerferabteilung

 

Die Rolle der Kradfahrer

Was, wenn der Funkverkehr eingeschränkt werden musste und z.B. durch Beschuss die Fernmeldeleitungen unterbrochen waren? Abbruch des Einsatzes? Nein. Im Notfall gab es noch die Krftradfahrer. Im Gefecht war die Scheinwerferkompanie zwar ohne die elektronischen Nachrichtenmittel sehr eingeschränkt und eventuell unbrauchbar, doch die Kraftradfahrer konnten ein Minimum der Gefechtsstärke wiederherstellen und bei der Wiederherstellung der Kommunikation helfen.
Im Marschzustand hatten sie primär die Aufgabe, die Verbindung zwischen der Batterie und der Abteilung, sowie zwischen der Batterie und den Zügen aufrechtzuerhalten.
"Längere Meldungen bekommt der Kraftradfahrer schriftlich mit, kürzere oft nur mündlich. Mündliche Meldungen sind von ihm sofort zu wiederholen und nach Übermittlung ist dem Auftraggeber zu melden, wer den Befehl entgegengenommen hat und wie der Befehl lautete. Jede Meldung wird grundsätzlich mit abgestelltem Motor gemacht."

 

Fazit

Die Aufgaben der Flakscheinwerferbatterie waren sehr vielseitig und wesentlich komplexer, als es vorerst den Eindruck macht. Die gemeinsame Koordination aller Batterien mit der Flak- und der Fliegertruppe war nur durch den dynamischen und möglichst effektiv geplanten Einsatz der Nachrichtenmittel möglich. Erst durch den Einsatz der Nachrichtenverbände war eine möglichst effektive Luftabwehr überhaupt möglich. Anhand dieses Beispiels sieht man gut, wie breit gefächert das Gebiet der Nachrichtenmittel im zweiten Weltkrieg war.

 

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