Häufig kommt es sogar bei Historikern zu Verwirrung bezüglich der Aufteilung von Truppennachrichtendiensten. Dieser Artikel soll die Verwirrung ein wenig lichten. Ein Blick in den Reibert und in die Nachrichtenfibeln 

War der Funker einer Infanterieeinheit ein Mitglied der Nachrichtentruppe?
Waren alle Funk- und Fernmelde-LKWs Kraftfahrzeuge der Nachrichtentruppe?

Zunächst einmal muss klargestellt werden, dass sich die Nachrichtendienste in drei grundlegende Verbände aufteilten:

  1. Truppennachrichtenverbände
  2. Nachrichtentruppe
  3. Luftnachrichtentruppe

Eines sei Vorweg erläutert: Der Funker innerhalb z.B. einer Infanterieeinheit war natürlich nicht unbedingt der Nachrichtentruppe unterstellt. Wenn dem so gewesen wäre, dann wäre die Nachrichtentruppe ein schier unkontrollierbarer, aufgeblasener Truppenteil gewesen.
Nur eines hatten alle Nachrichtenmänner auf allen Ebenen gemeinsam: Sie alle wurden in ihrem Fachbereich, dem Fernmelde- oder Funkwesen, von der Nachrichtentruppe ausgebildet!

Funker und Fernmelder einer Artillerieeinheit nach dem Kampf
Funker und Fernmelder einer Artillerieeinheit gezeichnet von den Kämpfen

 

Die Truppennachrichtenverbände

Bei den Truppennachrichtenverbänden handelte es sich um die Nachrichteneinheiten innerhalb der einzelnen Waffengattungen wie z.B. Infanterie, Panzertruppe, Artillerie oder den Pionieren. Sie stellten das Nachrichtenfachpersonal innerhalb ihrer Waffengattung und waren für die Nachrichtenverbindungen innerhalb ihrer Verbände zuständig, hatten die volle Truppenausbildung ihrer Waffengattung vollzogen und waren komplett ihren Waffengattungen untergliedert.

Im Buch "Nachrichtenverbindungsdienst", dem Nachfolger der Nachrichtenfibel, werden die Truppennachrichtenverbände nochmals untergliedert in:

  • Regimentsnachrichtenzüge bei Infanterie-, Artillerie- und Reiter-Regimentern.
  • Abteilungsnachrichtenzüge bei den Artillerie-, Aufklärungs- und Panzerabwehr-Abteilungen.
  • Bataillonsnachrichtenzüge bei den Pionier- und Kraftfahrschützen-Bataillonen.
  • Nachrichtenstaffeln bei Batterien, Jäger- und MG-Kompanien.

Alle Nachrichtensoldaten der Truppennachrichtenverbände trugen natürlich die Waffenfarbe ihrer Waffengattung und je nach Tätigkeit einen aufgestickten Blitz in der Farbe ihrer Waffengattung am linken Oberarm.

Achtung: Der Blitz wurde sowohl von Funkern, als auch von Fernmeldern getragen. Das ist NUR bei der Nachrichtentruppe anders!

 

Die Nachrichtentruppe

Die Nachrichtentruppe wurde ursprünglich für den Einsatz in der mittleren und höheren Truppenführung konzipiert und tat ihren Dienst übergreifend innerhalb der Waffengattungen und vor allem auf eigener Ebene.
Sie gliederte sich in Funk- und Fernsprechkompanien, welche in sogenannte Nachrichten-Abteilungen zusammengefasst waren. Diese Abteilungen waren den höheren Stäben unterstellt.


Die Ausrüstung der Nachrichtentruppe war zu jener Zeit hochtechnisch und auf modernstem Stand. Jede Einheit war voll motorisiert oder zumindest teilmotorisiert. Das sogar schon weit vor dem Krieg.

Der Nachrichtentruppe wurde nach den Erfahrungen im ersten Weltkrieg ein besonderer Wert zugeschrieben und man erkannte ihre entscheidende Rolle innerhalb der Armee.
An die Soldaten der Nachrichtentruppe wurden besondere Anforderungen im Bezug auf geistiges Können, Aufnahmefähigkeit, Ausdauer und physikalische Belastbarkeit gestellt.

Effekte eines Funkers der Nachrichtenabteilung 34 aus Koblenz
Schulterklappen und Tätigkeitsabzeichen eines Funkers der Nachrichtenabteilung 34 aus Koblenz


Die Nachrichtentruppe gliederte sich grob in:

  1. Heeresnachrichtenabteilungen - Zuständig für den Heeres-umfassenden Betrieb aller Nachrichtenverbindungen.
  2. Korpsnachrichtenabteilungen - Zuständig für Herstellen und den Betrieb der Nachrichtenverbindungen von den Armeekorps zu den unterstellten Divisionen.
  3. Divisionsnachrichtenabteilungen - Zuständig für die Nachrichtenverbindungen von den Divisionskommandos zu den der Divisionen unterstellten Verbänden. Je nachdem welcher Waffengattung die jeweilige Division angehörte konnten Ausrüstung und Stärke der Nachrichten-Abteilung variieren.

Die Waffenfarbe der Nachrichtentruppe war Zitronengelb, welches nicht zu verwechseln war mit dem Goldgelb der Kavallerie.
Was wenige wissen: Jeder Soldat der Nachrichtentruppe wurde als "Funker" bezeichnet. Egal, ob er seinen Dienst in einer Fernsprech- oder einer Funkkompanie leistete. Natürlich hatten nicht alle Soldaten der Nachrichtentruppe das Funkerabzeichen auf dem linken Oberarm! Das Funkerabzeichen ist ein Tätigkeitsabzeichen und durfte in der Nachrichtentruppe nur von ausgebildeten Funkern getragen werden. 

 

Die Luftnachrichtentruppe

Die Luftnachrichtentruppe wurde speziell für den Einsatz innerhalb der Luftwaffe konzipiert. Sie war für alle Waffengattungen der Luftwaffe zuständig (Flak, Fliegertruppe und Sonderdienste) und war direkt der Truppenführung unterstellt.
Alles an Nachrichtenverbindungen innerhalb der Luftwaffe lag in ihrem Aufgabengebiet. Von Bordfunkgerät über Befehlsstellenverbindung und Flugabwehrnachrichtendienst bis Flugmeldedienst... Für all das war die Luftnachrichtentruppe zuständig.

Das Aufgabengebiet der LN-Truppe war genauso groß wie das Aufgabengebiet der Nachrichtentruppe und ebenso spezialisiert. Auch an die Soldaten der Luftnachrichtentruppe wurden höchste Anforderungen gestellt.
Die Waffenfarbe der Luftnachrichtentruppe war goldbraun und die Soldaten trugen die blaugraue Uniform der Luftwaffe.

Die Luftnachrichtentruppe
Die Luftnachrichtentruppe hatte weitreichende Aufgabenfelder in der Luftwaffe

 

Die Aufteilung der Nachrichtenmittel ist vielen nicht bekannt und so kommt es häufig zu Missverständnissen bei dem Begriff "Funker". Dabei stellte sich diese Aufteilung als effektives Mittel innerhalb des Kriegsdienstes heraus, welches im Kriegsverlauf nur minimalen Änderungen unterlag.